Themenmolekül: Einsteins Gehirn trifft Biopunk
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit Erdbeer-DNS, leuchtenden Do-it-yourself-Joghurtbakterien, Biopunk und Partymathematik.
- Peter Glaser
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit Erdbeer-DNS, leuchtenden Do-it-yourself-Joghurtbakterien, Biopunk und Partymathematik.
Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen.
Ehe es den Bio-Legokasten für den kleinen Homeklonierer im Spielzeuggeschäft gibt, wird es noch ein wenig dauern (aber nicht allzu lange). Bis dahin muß man als Biohacker sein Genetic Engineering eben noch selbstgebastelt durchführen. Vor drei Jahren tauchten die ersten Berichte über Biopunks wie die SF-Autorin und Programmiererin Meredith Patterson auf, die mit online gesammeltem Wissen und selbstgebastelten Laborgeräten in die Gentechnik einsteigen (Patterson versuchte sich an genetisch veränderten Joghurtbakterien, die grün leuchten, wenn sie mit Melamin in Berührung kommen – einer Chemikalie, die in China in Babynahrung erhebliche Schäden angerichtet hat).
Inzwischen findet man Anleitungen wie etwa zur Extraktion von DNS online an jeder Ecke – hier bei Sciencebuddies beispielsweise zur Präparation von Erdbeer-DNS. Hier gibt es eine gut illustrierte Anleitung, wie man zu Hause seine eigene DNS unter die Lupe nehmen kann. Und hier zeigt Cathal Garvey von dem Blog Indie Biotech, dass Biotechnologie generell weder kompliziert noch teuer sein muss.
Man kann die Sache auch vom ästhetischen Standpunkt aus angehen. Ein unverkennbares Statement zum Biopunk kann man mit diesem unverkennbar spiralisierten MyDNA-Bücherregal abgeben (und gleichzeitig die entsprechende Literatur stilsicher unterbringen). Wer gerade zu faul zum Lesen ist und sich die spannenden Sachverhalte lieber vorführen lässt, sollte diese meisterlich animierte Darstellung einer Transkription – also der Synthese von Ribonukleinsäure anhand eines DNS-Strangs als Vorlage – auf keinen Fall versäumen. Hier noch die Visualisierung der DNS auf molekularer Ebene. All das passiert gerade in dir drin. Und hier das Ganze zum spielerischen Ausklang noch in einer musikalisch aufmunternd unterlegten Lego-Version.
Wo wir gerade beim Angeheiterten sind: So stellen sich Chemiker eine Alkohol-Party vor. Einige jedenfalls. Die Teilnehmer sehen schon etwas gezeichnet aus. Und noch etwas, um auf einer solchen Party auch richtig Eindruck zu machen: "Ich wette, du weißt nicht, wie man einen Donut (um nicht zu sagen: einen Torus) mit nur drei Schnitten in 13 Teile teilt!" – hier die sinnreich bebilderte Anleitung.
Immer wieder interessant: Ein Blick auf die Grade an Komplexität, die wir inzwischen dank der Wissenschaft auf allen Skalendimensionen der Welt überschauen können. Besondere Hilfsmittel dabei sind Computer und ihre in raffinierter Software zum Ausdruck gebrachte Visualisierungskraft – hier anschaulich gemacht am Beispiel der räumlichen Struktur des Insulin-abbauenden Enzyms Insulysin (IDE), das in Bakterien und Eukaryoten vorkommt und im Verdacht steht, an der Entstehung von Diabetes und Alzheimer beteiligt zu sein.
Das 1787 gegründete College of Physicians of Philadelphia ist die Geburtsstätte der amerikanischen Medizin – es ist die älteste professionelle medizinische Organisation des Landes. Des weiteren ist das College die Heimat des Mütter Museums – in dem unter anderem das Gehirn Albert Einsteins ausgestellt wird. Das Mütter ist ein ein herrlich makabres Museum mit allerlei medizinischen Kuriositäten, sorgfältig in einem Salon im Stil des 19. Jahrhunderts dargeboten – eine Wand aus menschlichen Schädeln aus der ganzen Welt, ein Abguss der siamesischen Zwillinge Cheng und Eng, Formalin-Präparate von Wundbrand und anderen schrecklichen Krankheiten, sowie das Glanzstück des Museums, der Leichnam einer übergewichtigen Frau, der sich, anstatt zu verwesen wie sonst üblich, in ein riesiges Stück Seife verwandelt hat.Was sich ein wenig nach einer Freakshow anhören könnte, sind jedoch medizinische Artefakte, die respektvoll gezeigt werden und die auch moderner medizinischer Forschungen dienen. (bsc)