FBI fordert US-Hochschulen zur Spionageabwehr auf

Spione,Terroristen, Kriminelle, Extremisten und Hacker versuchen nach dem FBI, die Offenheit der Universität ausnutzen, um an Informationen zu gelangen.

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Von
  • Florian Rötzer

Führende Universitäten in den USA sind aufgrund ihrer Forschungsaktivitäten und ihrer Offenheit nach Ansicht des FBI Spionageziele. Im Rahmen des 2005 gestarteten Programms The College and University Security Effort (CAUSE) besuchen FBI-Agenten Hochschulen, um über Spionage und andere Bedrohungen der nationalen Sicherheit zu informieren und Maßnahmen dagegen vorzuschlagen.

Ausländische Geheimdienste und Unternehmen seien vermehrt am Diebstahl von Forschungsergebnissen und geistigem Eigentum interessiert und schleusten Studenten oder Besucher als Spione ein, meint man beim FBI. Terroristen und Kriminelle suchten nach neuen Techniken und wissenschaftlichen Durchbrüchen, um sie gegen die USA einzusetzen, gewalttätige Extremisten schlüpften unter dem Deckmantel von Studentenvisa unentdeckt ins Land, und Hacker griffen Computernetze an, um Geheimnisse, Forschungsergebnisse und persönliche Daten zu stehlen. Um vor dem überall lauernden Bösen zu warnen, haben FBI-Agenten in letzter Zeit bereits einige der führenden Universitäten wie das MIT, das Boston College oder die University of Massachusetts besucht, gab der Leiter des FBI-Büros in Boston bekannt. Besuche an weiteren Hochschulen seien geplant.

Die FBI-Agenten wollen das Universitätspersonal, die Studenten und die Sicherheitskräfte über "Spionageindikatoren" aufklären, ähnlich wie die dies auch in Behörden gemacht wird, beispielsweise mit Hinweisen auf verdächtiges Verhalten in der Broschüre Your Role in Combating the Insider Threat. Lucia Ziobro, zuständig für Spionageabwehr beim FBI, erklärt, dass man mit dem Programm keine Menschen in den Universitäten anwerben oder Agenten in sie einschleusen wolle. FBI-Agent Warren Bamford versichert dem Boston Globe, dass man nicht in die Universitäten mit der Absicht gehe, "den freien Informationsfluss zu stoppen. Die akademische Gemeinschaft muss offen sein. Wir müssen sie nur darüber aufklären, dass es Menschen gibt, die Beziehungen aufnehmen wollen, um an Geheimnisse heranzukommen". Allerdings gehe es schon darum, auf verdächtiges Verhalten zu achten und verdächtige Personen zu melden.

Nach Auskunft von Universitätsangehörigen bietet das FBI Schulungskurse an, was die Hochschulen angeblich bislang aber abgelehnt hätten. Die FBI-Agenten raten etwa dazu, dass Wissenschaftler ihre Laptops nicht ungeschützt in Hotelräumen im Ausland lassen oder allgemein darauf achten sollen, wer mit ihnen in Kontakt tritt, um über ihre Arbeit zu sprechen. Hacker könnten im Ausland auch versuchen, über die Internetverbindung des Hotels in die Laptops der Wissenschaftler einzudringen. Nach den "Spionageindikatoren" für Behörden könnte derjenige an Universitäten verdächtig sein, der heimlich ins Ausland reist, sich für Dinge interessiert, die nichts mit seiner Tätigkeit zu tun haben, zu ungewöhnlichen Zeiten arbeitet, sich heimlich mit Ausländern trifft oder plötzlich mehr Geld hat.

In einem Artikel, der auf vielen Blogs und Newsforen zirkuliert, wird das FBI-Spionageabwehrprogramm für Hochschulen allerdings wohl sehr übertrieben dargestellt: "Studenten an US-Universitäten sollen nicht mehr spät auf dem Campus arbeiten, ins Ausland reisen, Interesse an der Arbeit ihrer Kollegen zeigen, Freunde außerhalb der USA haben, sich mit unabhängiger Forschung beschäftigen oder ohne vorherige Genehmigung der Vorgesetzten zusätzliches Geld verdienen." So weit will anscheind auch das FBI nicht gehen. (fr)