Online-Reiseanbieter immer stärker gefragt
Im Internet informieren, im Reisebüro buchen -- das ist bisher für viele Deutsche ein gängiger Weg, wenn der Urlaub unter Dach und Fach gebracht werden soll. Doch die Zahl der Online-Buchungen steigt rapide an.
Im Internet informieren, im Reisebüro buchen -- das ist bisher für viele Deutsche ein gängiger Weg, wenn der Urlaub unter Dach und Fach gebracht werden soll. Doch die Zeiten ändern sich. Noch immer wächst die Zahl der "Reisen-Info-Sammler" im Netz deutlich. Und bei den Web-Buchungen explodiert sie: 15 Prozent der Deutschen haben die Online-Welt bereits für Buchungen genutzt. Das ist beinahe eine Verdreifachung seit dem Jahr 2000, heißt es in der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (F.U.R), die auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin vorgestellt wurde.
Und auch bei den Anbietern passiert eine Menge: Etablierte Portale weiten ihre Möglichkeiten aus, neue kommen hinzu. Am häufigsten genutzt wird das Internet für Hotelbuchungen: 26 Prozent aller Internetnutzer haben damit bereits Erfahrungen. Flugtickets und Pauschalreisen folgen erst mit einigem Abstand. "Oft geht es um ein Hotel, das der jeweilige Kunde schon kennt, das ihm vertraut ist. Denn der Sicherheitsaspekt spielt bei Buchungen im Web eine große Rolle", erläutert F.U.R-Geschäftsführer Peter Aderhold.
Dass Datensicherheit für viele Touristen ein heikles Thema ist, bestätigt eine vom Verband Internet Reisevertrieb (VIR) in Auftrag gegebene Umfrage. Dabei wurde gefragt, was diejenigen Internetnutzer abhält, die bisher nicht online buchen. Nach dem Argument "ist mir zu unpersönlich" landeten die Aspekte "Unsicherheit wegen der Zahlung" und "Angst vor Datenmissbrauch" dabei auf den Plätzen zwei und drei.
Die VIR-Mitglieder packen die Sicherheit im Netz daher jetzt aktiv an: "Der TÜV zertifiziert uns, und wenn wir das Siegel haben, sind wir sicher vor Hackern", sagt Marc Maslaton, Vorstandssprecher von travel24.com. Zudem ist der VIR der Reiseschiedsstelle beigetreten, die unter Federführung des Reiserechtlers Professor Ronald Schmid versucht, Streit zwischen Touristen und Reisebranche außergerichtlich zu schlichten. "Diese neutralen Partner -- TÜV und Reiseschiedsstelle -- zeigen, wie wichtig das Thema Sicherheit für uns ist", sagt VIR-Vorstand Claudia Brözel. Zum Verband gehören neben travel24.com die Portale expedia.de, lastminute.com, opodo.de und ebookers.de.
Dass Online-Reiseanbieter immer stärker gefragt sind, liegt auch an den neuen Möglichkeiten, die Urlauber bei vielen von ihnen haben. Von der Branche "Dynamic Packaging" genannt, setzt sich die Individualisierung der Online-Buchung weiter fort. Neue Anbieter wie touropa.com, die sich zur ITB erstmals präsentierten, oder solche wie Flyloco, die es bereits seit einiger Zeit gibt, setzen voll auf dieses Verfahren: Verkauft werden dabei nicht mehr vorgefertigte Pakete, sondern vom Kunden nach dem Bausteinprinzip kombinierte Elemente wie Flüge, Hotels, Mietwagen, Transfers und Eintrittskarten.
FrĂĽher war der Urlauber, der so etwas wollte, auf das Surfen von einer Website zur anderen oder auf mehrere Buchungen bei einem Anbieter angewiesen. Nun kann er in einem Vorgang zum Beispiel die Preise und Flugzeiten vergleichen und dann selbst sein Reisepaket schnĂĽren. Dazu bekommt er den so genannten Sicherungsschein. Denn das Portal, das "Dynamic Packaging" anbietet, wird in diesem Augenblick zum Reiseveranstalter und tritt in eine umfassende Haftung ein.
Neben den neuen "virtuellen Veranstaltern" wie touropa.com bieten aber auch Online-Reisebüros solche Buchungswerkzeuge an. Denn Expedia.de und lastminute.com etwa stellen fest, dass immer mehr Kunden eine solche Individualisierung wollen. Expedia verzeichne schon 40 Prozent seiner Buchungen über das Segment "Click & Mix", sagt Geschäftsführerin Anja Keckeisen. "Ein Großteil davon sind bisher Städtereisen, aber auch andere Urlaubsarten sind zunehmend gefragt." Neben mehr als 20.000 Hotels weltweit, Flügen und Mietwagen können zum Beispiel auch Transfers, Musicaltickets und Stadtführungen zum Reisepakte hinzugefügt werden -- und das alles mit einigen Klicks.
Auch lastminute.com baut seine individuellen Buchungsmöglichkeiten aus -- nicht nur in der Online-Welt. Unter der Marke Holiday and more will der Anbieter ab April auch über klassische Reisebüros verkaufen. Kombinieren lassen sich Flüge, Mietwagen, Reiseversicherungen und Hotels sowie verstärkt Zusatzleistungen wie Ski- oder Wellnesspakete.
Lastminute.com stellt sich für künftige Buchungen der Touristen zum Beispiel vor, dass Reisebüros auf ihren eigenen Webseiten eine Verlinkung zum "Dynamic Packaging"-Bereich des Unternehmens aufbauen. Denn bisher bleiben bei den fünf VIR-Mitgliedern nur 1,5 Prozent der Seitenbesucher auch für eine Buchung hängen. Künftig sei denkbar, dass sich Kunden online über konkrete Reisemöglichkeiten informieren und einen virtuellen Merkzettel anlegen. Mit dessen Hilfe tätigen sie dann am Tag darauf in einem vertrauten Reisebüro die Buchung, erklärt Michael Buller, der Deutschland-Geschäftsführer von lastminute.com.
Der Buchungsboom im Internet geht nach Einschätzung von Experten weiter: Nach Prognosen der F.U.R wird im Jahr 2015 knapp jeder zweite deutsche Webnutzer online Reiseverträge abschließen. Einen weiteren Schub könnte es schon bald geben, wenn der weltgrößte Reisekonzern TUI alle seine Online-Aktivitäten bündelt und sich unter www.tui.com "unzählige modulare Reisen zusammenstellen" lassen. Der Startschuss soll in der zweiten Jahreshälfte fallen, kündigte TUI auf der ITB an. (Christian Röwekamp, dpa) / (anw)