3GSM: GSMA testet internationale Geldüberweisung zwischen Handys
Mittels SMS soll Handyusern in anderen Länder Geld angewiesen werden können. Migranten haben nach offiziellen Zahlen letztes Jahr 230 Milliarden Dollar an Verwandte und Freunde in Entwicklungsländer geschickt.
Die internationale Überweisung auch kleiner Beträge möchte die GSM Association einfacher, billiger und schneller machen. Mittels SMS soll Handyusern in anderen Länder Geld angewiesen werden können. Insbesondere Menschen ohne Bankkonto würden davon profitieren. Während bereits mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung im Empfangsbereich eines Mobilfunknetzes leben, haben Banken wesentlich geringere Reichweiten. In einzelnen Ländern wie etwa Südafrika haben sich daher bereits Systeme etabliert, mit denen Guthaben per SMS übertragen werden können. In einem von der GSM Association organisierter Pilotversuch mit MasterCard, mehreren Banken und Netzbetreibern soll nun die internationale Geldüberweisung zwischen Kunden verschiedener Mobilfunker ausprobiert werden.
Migranten haben letztes Jahr 230 Milliarden Dollar an Verwandte und Freunde in Entwicklungsländer geschickt – soweit die offiziellen Zahlen. Zusätzlich werden regelmäßig Bargeld und Wertsachen übermittelt. So manche Volkswirtschaft eines Entwicklungs- oder Schwellenlandes profitiert von diesen privaten Vermögensströmen stärker als von Entwicklungshilfe. Die Empfänger haben aber in der Regel kein Bankkonto. Marktführer im Bereich dieser Transaktionen ist Western Union. Allerdings verhindern die Gebühren die Anweisung kleiner Geldbeträge. "Wenn Sie heute 50 Pfund von Großbritannien nach Indien schicken möchten, kostet Sie das zwölf Pfund plus Wechselspesen", erläuterte Sunil Bharti Mittal, Chef des indischen Netzbetreibers Bharti Airtel, am Montag auf der 3GSM in Barcelona. Indien ist der größte Empfänger der privaten Geldtransaktionen von Migranten.
Die GSM Association und MasterCard werden nun für einen sechsmonatigen Test einen globalen Knoten etablieren, über den Überweisungen von einem User zum anderen laufen sollen. Zu den Testpartnern gehören neben Banken Netzbetreiber in Bahrein und Italien einerseits, Indien und auf den Philippinen andererseits. Die exakten Modalitäten hängen von der Rechtslage und der Ausgestaltung in den jeweiligen Ländern ab. So könnte beim Sender das Geld von einem vorausbezahlten Guthaben, seinem Bankkonto oder über seine nächste Mobilfunkrechnung eingezogen werden. Der Empfänger würde innerhalb von Sekunden eine SMS-Nachricht erhalten und könnte das Geld umgehend etwa über eine spezielle SmartCard abheben oder es sich beim nächsten Vertriebspartner seines Netzbetreibers auszahlen lassen. Die Kosten für die Dienstleistung stehen noch nicht fest, angestrebt wird der einstellige Prozentbereich. Geringe Beträge sollen anteilsmäßig nicht mehr kosten als derzeit größere Geldanweisungen.
Die GSM Association geht davon aus, damit einen neuen Markt zu schaffen. Ihr Ziel sei es aber nicht, etablierten Anbietern wie Western Union das Wasser abzugraben. 19 Mobilfunk-Anbieter, die in über 100 Ländern mehr als 600 Millionen Kunden betreuen, haben bereits ihr Interesse an einem solchen System bekundet. Es könnte einer Schätzung zufolge die privaten Geldströme bis 2012 auf über eine Billion Dollar mehr als vervierfachen und die Zahl der Empfänger auf 1,5 Milliarden verdoppeln. Die dadurch eröffnete Möglichkeit, die Geldströme genau verfolgen zu können, wird als vorteilhaft betont. Damit dürfte auch die Unterstützung des Projektes durch Regierungsstellen gesichert sein. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)