4.300 Jahre alte Schimpansen-Werkzeuge entdeckt
Ein internationales Forscherteam hat den ersten prähistorischen Nachweis dafür erbracht, dass Schimpansen seit Langem eine primitive Art von Technik nutzen.
- Niels Boeing
Ein internationales Forscherteam hat den ersten prähistorischen Nachweis dafür erbracht, dass Schimpansen seit Langem eine primitive Art von Technik nutzen. Der Leipziger Schimpansenforscher Christophe Boesch und der kanadische Archäologe Julio Mercader entdeckten bei Ausgrabungen im Taï-Regenwald der Elfenbeinküste in früheren Schimpansen-Siedlungsgebieten einfache Steinwerkzeuge, deren Alter sie auf 4.300 Jahre datieren.
Die Werkzeuge zeigen typische Abnutzungserscheinungen, die beim Zerschlagen von Nussschalen zustande kommen. Bereits im 19. Jahrhundert hatten Wissenschaftler berichtet, die Menschenaffen des Taï-Regenwaldes würden Steine zum Nussknacken verwenden. "Die westafrikanischen Schimpansen benutzen dreißig verschiedene Werkzeuge, etwa um sich zu kratzen oder um an Insekten oder Honig zu gelangen", erläutert die Schimpansenforscherin Hedwige Boesch, die mit ihrem Mann seit den 1970ern regelmäßig Menschenaffen im Taï-Nationalpark untersucht, im Online-Dienst wissenschaft.de.
"Es ist noch unklar, ob Menschen und Menschenaffen diese Art der Steintechnik von einem gemeinsamen Vorfahren geerbt haben", sagt Julio Mercader. "In dieser Region gab es vor 4.300 Jahren keine Bauern, deshalb ist es unwahrscheinlich, dass die Schimpansen angefangen haben, Menschen zu imitieren, wie einige Wissenschaftler behaupten."
Die beteiligten Forscher schließen aus, dass die Verformungen an den gefundenen Steinen durch Erosion oder menschliche Einwirkung zustande gekommen sein könnten. Zum einen seien die Steine zu groß für einen menschlichen Gebrauch. Zum anderen habe man Rückstände von Stärke daran gefunden, die von Nüssen stammen, die Schimpansen essen, aber nicht Menschen.
"Die Schimpansen-Werkzeug-Kultur hat eine lange Vorgeschichte, deren Wurzeln gerade erst entdeckt werden", schreiben die Forscher in ihrem Artikel "4,300-year-old chimpanzee sites and the origins of percussive stone technology", der im Wissenschaftsjournal Proceedings of the National Academy of Science (PNAS) veröffentlicht wird. Andere Forscher sind von dem Fund beeindruckt: "Das Paper präsentiert gewichtige archäologische Daten für das Alter der Nussknackertechnik von Schimpansen und zeigt, dass dieses Verhalten entstand, lange bevor Bauern in dieser Gegend ankamen", sagt etwa Michael Chazan, Anthropologe von der Universität Toronto.
Auch andere Wissenschaftler sind der Fähigkeit von Menschenaffen zu technischem und innovativem Verhalten auf der Spur. So hat Carel van Schaik, Direktor des Anthopologischen Instituts der Universität Zürich, entdeckt, dass Orang-Utans neue Entdeckungen etwa im Umgang mit bestimmten Früchten weitergeben, wie Technology Review im vergangenen Jahr berichtete. „Dafür gab es nur eine Erklärung: Einer der Affen muss diese Technik erfunden haben, und sie hat sich in der Gruppe verbreitet“, sagte van Schaik.
Mehr in Technology Review online:
(nbo)