UNO-Expertin weist auf illegalen Online-Medikamentenhandel hin
Viele illegal betriebene Online-Apotheken werden nach Einschätzung von Gisela Wieser-Herbeck vom International Narcotics Control Board von Kriminellen betrieben.
Der Handel mit Arzneimitteln im Internet ist schwer einzuschätzen, meint Gisela Wieser-Herbeck, Wissenschaftlerin beim Internationalen Suchtstoffkontrollrat der UNO (International Narcotics Control Board, INCB). Es gebe eine hohe Dunkelziffer an illegalen Web-Apotheken. Schätzungen gingen von mindestens 5000 aus, die einen Betrag im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich umsetzten, sagte sie in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus. "Mit Sicherheit betreiben organisierte Kriminelle den Großteil dieser Webseiten", sagte die Expertin.
Es gebe zum Beispiel einen Markt für das Beruhigungsmittel Rohypnol, das Abhängige neben Hauptdrogen wie Heroin einnähmen. Bei den angebotenen Präparaten handele es sich teilweise um Fälschungen aus dubiosen Laboren. Jedoch deckten die Händler ihren Bedarf teilweise auch aus legalen Quellen, zum Beispiel Pharmafirmen. Beispielsweise habe eine Firma aus Deutschland eine illegale Web-Apotheke beliefert: Die Verantwortlichen der Firma seien der Meinung gewesen, eine Online-Apotheke benötige keine behördliche Import- und Exportgenehmigung. (anw)