Länder bald mit landessprachlichen Domains im Netz
Die Betreiber von Top-Level-Länderdomains sollen einem Beschluss der Netzverwaltung ICANN zufolge die Möglichkeit bekommen, eine weitere landesspezifische Adresszone in der DNS-Rootzone einzutragen.
Ab November 2007 könnten nicht-englischsprachige Adresszonen der klassischen Länderdomain-Betreiber wenigstens testweise in die DNS-Rootzone eingetragen werden. Zu diesem Zugeständnis rang sich die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) bei ihrem Treffen vergangene Woche im puertorikanischen San Juan offenbar auch auf Druck von Regierungsseite durch. Das beratende Regierungsgremium der ICANN verlieh durch einen entsprechenden Beschluss (PDF-Datei) einer Initiative der Dachorganisation asiatischer ccTLD-Betreiber (APTLD) und ihrer europäischen Schwesterorganisation CENTR offiziellen Nachdruck.
Die APTLD hatte sich dafür ausgesprochen, "existierenden ccTLDs den Betrieb einer zusätzlichen Länder- oder Territorialadresszone in einer anerkannten nicht-ASCII-Schrift zu erlauben." Die Namenswahl solle dabei der nationalen Registry selbst überlassen bleiben. Zwar könne man mit einer zusätzlichen landessprachlichen Adresszone den Ländern mit mehreren Amtssprachen oder Schriften nicht gerecht werden. Dafür solle langfristig eine Lösung gefunden werden. Die vorgezogene Vergabe von jeweils einer Adresszone für die ccTLDs hält man aber für dringend.
In der Tat gibt es bereits jetzt eine ganze Reihe nicht-englischer Adresszonen, die allerdings nicht global erreichbar sind. China hat zum Beispiel gleich mehrere Adresszonen in chinesischer Schrift und würde wohl gerne die zhongguo-Zone in die Root bringen. Gegen die von den nationalen TLDs gewählten Namen soll es ein sechsmonatiges Einspruchsrecht für Regierungen geben. Das würde den von ICANN-Chef Paul Twomey verkündeten Start allerdings verzögern.
Abzuwarten, bis die ICANN das Verfahren zur Verabschiedung neuer Regeln abgeschlossen hat, halten die Regierungen für eine zu große Verzögerung. Davor sind noch einige Fragen zu beantworten – zum Beispiel, ob man eine der ISO-3166-1-Liste vergleichbare Liste für die nicht-englischen Adressen braucht, wie viele Adressen pro Land es geben soll und welche Rolle die Regierungen dann dabei spielen. Das könne bis zu zwei Jahre dauern, heißt es im San-Juan-Beschluss des Regierungsbeirates. Zwar mahnt man, die Modalitäten der vorgezogenen Einführung mit Bedacht zu gestalten. Zugleich hält man die Einführung aber für notwendig, damit der schon bestehende Bedarf gedeckt werden könne. Von Seiten der Betreiber generischer TLDs gibt es dagegen Bedenken, einzelne Länder könnten sich in dem Verfahren interessante, aber nicht sprachbezogene Adressen sichern, zum Beispiel Tuvalu die Adresszone .television.
Natürlich dürfte es die Bewerber für neue TLDs nicht eben erfreuen, dass die ccTLDs durch ein vorweggenommenes Verfahren an ihnen vorbei vergeben werden. Die Initiativen für .cym, .gal und .berlin forderten ICANN auf, frühere Zeitpläne einzuhalten oder von den seit mehreren Jahren in den Startlöchern stehenden Bewerbern für GeoTLDs rasch Bewerbungen anzunehmen, auch wenn noch nicht sämtliche Details des Zulassungsverfahrens durch alle ICANN-Gremien durch sind. Mehrfach wurde in San Juan angeregt, die GeoTLDs als spezielle Kategorie neuer TLDs zu behandeln. (Monika Ermert) / (vbr)