e.on darf spanischen Stromversorger Endesa schlucken

Die spanische Regulierungsbehörde hat dem deutschen Stromriesen die Endesa-Übernahme unter rigorosen Auflagen erlaubt. Unter anderem muss e.on rund ein Drittel der Endesa-Produktionskapazitäten in Spanien veräußern.

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Dem größten deutschen Energiekonzern e.on steht der Weg zur Übernahme des spanischen Stromversorgungsunternehmens Endesa jetzt offen. Die spanische Regulierungsbehörde CNE hat am gestrigen Freitag in Madrid ihre Zustimmung für die geplante Akquisition gegeben, die einen Umfang von rund 29,1 Milliarden Euro haben soll. Sie hat dabei allerdings massive Auflagen festgeschrieben. Das berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) in ihrer heutigen Wochenendausgabe. Unter anderem soll e.on rund ein Drittel der Endesa-Produktionskapazitäten in Spanien abstoßen. Nach e.on-Angaben entsprechen die Veräußerungsvorgaben einer Stromproduktion von rund 7600 Megawatt, was den Berechnungen spanischer Medien zufolge sogar auf rund 40 Prozent des landesinternen Endesa-Kapitals hinauslaufen würde.

Nach den insgesamt 19 rechtsverbindlichen behördlichen Vorgaben soll man etwa einen Atommeiler verkaufen, der sich bislang zu 100 Prozent im Besitz von Endesa befindet. Andere Atomanlagen, an denen das Unternehmen bislang nur beteiligt war, sollen zumindest unter die Kontrolle spanischer Partner gelangen. Zudem behalten die Behörden sich das Recht vor, innerhalb von zehn Jahren die Erlaubnis zurückzuziehen, falls eine Gruppe direkt oder indirekt die Kontrolle über mehr als 50 Prozent des e.on-Kapitals übernehme. Für denselben Zeitraum soll Endesa die juristische Vollmacht in dem neuen Unternehmen ausüben, das durch die Akquisition entsteht. Als Begründung für die strengen Auflagen nannte die CNE die Notwendigkeit, die strategischen Interessen Spaniens im Energiesektor zu wahren.

e.on hat die Auflagen als ungerechtfertigt bezeichnet und behält sich juristische Schritte vor, will aber an der geplanten Übernahme festhalten.

Der Entscheidung der Regulierungsbehörde waren monatelange Auseinandersetzungen vorausgegangen. Die Regierung in Madrid, die den Energiebereich gern weiterhin unter spanischer Kontrolle sehen würde, hatte per Dekret eigens die Rechte der CNE gestärkt. Durch dieses Verhalten war sie wiederum mit der EU-Kommission in Konflikt geraten, die das Dekret als wettbewerbswidrig betrachtete. (psz)