PC-Netzteile: Zu 60 Prozent ein NachrĂĽstmarkt

Hohe Effizienz, leise Betriebsgeräusche, Stabilität und Zuverlässigkeit lauten die Kaufkriterien bei PC-Netzteilen. Ein Großteil des Geschäfts wird mit Einsteigergeräten zwischen knapp 40 und 80 Euro umgesetzt. Titanium-Produkte warten im Laufe des Jahres mit einer Energieeffizienz von bis zu 96 Prozent auf.

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Von
  • Karl Fröhlich

Netzteile der Kategorie 80+ Platinum erreichen eine Energieeffizienz von bis zu 94 Prozent.

(Bild: Karl Fröhlich)

Der Markt für PC-Netzteile zeichnet sich durch Stabilität aus und blüht grundsätzlich eher im Verborgenen. In der Werbung für PCs wird diese Gerätegruppe mit keinem Wort erwähnt und auch ansonsten stehen die Produkte im Schatten von Grafikkarten, Arbeitsspeicherwerten und Festplattengrößen. Trotzdem ist das Netzteil eine der wichtigsten Baugruppen im Rechner. Ein schlechtes oder falsch dimensioniertes Netzteil ist häufig der Grund für Rechnerabstürze und kein Garant für einen stabilen Betrieb.

Für 2012 darf der Handel mit neuen Produktgenerationen rechnen. Im Laufe des Jahres werden Geräte mit 80-Plus-Titanium-Zertifizierung, nicht nur für Server, sondern auch für Heimanwender erhältlich sein. Obwohl das Geschäft mit PC-Systemen als rückläufig gilt, auf das Netzteil-Business hat dies wenig Einfluss. "Der Netzteil-Markt ist nach wie vor am Wachsen", sagt Markus Harbach, Leiter Einkauf bei Wave. "Es findet hier und da eine Umlagerung der Stückzahlen je nach Hersteller statt. Laut GfK dominiert Be Quiet den deutschen Markt. Die Grenze zwischen Upgrade und Neukauf kann nicht klar gezogen werden." In der Regel sei das Netzteil eine der letzten Komponenten, die in einem PC ausgetauscht wird.

"Der Netzteil-Markt stellt sich aus unserer Sicht auf hohem Niveau stabil und in der Tendenz wachsend dar", ergänzt Jörg Sütterlin, Produktmanager im Einkauf bei Devil. "Nach unserer Einschätzung fließen rund 60 Prozent der Abverkäufe in den Um- und Nachrüstmarkt und zirka 40 Prozent in die Produktion neuer Systeme."

Der durchschnittliche Verkaufspreis liegt bei rund 65 Euro, mit zuletzt leicht sinkender Tendenz.

Laut Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro Distribution, verkaufen sich derzeit Netzteile mit 400 bis 500 Watt am besten: "Die stärkste Nachfrage kommt momentan aus dem Einstiegsbereich. Hinsichtlich der Funktionen interessieren sich die Kunden insbesondere für geringen Stromverbrauch, niedrigen Geräuschpegel und gute Qualität bzw. Zuverlässigkeit." Die Mainstream-Produkte bewegen sich preislich zwischen 39 und 79 Euro.

Dies zeigt auch im heise resale Preisradar. Unter den Top 10 bewegt sich der Angebotspreis im Onlinehandel zwischen rund 34 (Cougar A300) und 80 Euro (Be Quiet Straight Power E9 480W). Nur zwei Geräte sind mit 93 (Be Quiet Straight Power E9 580W) bzw. 113 Euro (Sea Sonic X-560) etwas teurer. Der durchschnittliche Preis liegt in der KW 9 bei 64,29 Euro (brutto). Im Vergleich zur Vorwoche ist er um 7,6 Prozent gesunken.

"Ein gutes Netzteil zeichnet sich durch einen hohen Wirkungsgrad, geringe Lautstärke, hochwertige Bauteile bzw. Komponenten, Kabelmanagement sowie ein stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis aus", sagt Johannes Schneider, CEO bei Sharkoon Technologies. "Energiesparen ist gerade in der aktuellen Zeit ein wichtiges Thema. Hier stellen wir beispielsweise in diesem Jahr mit dem „Darksource“ ein 80Plus-Platinum-zertifiziertes 700-Watt-Netzteil vor. Als technische Entwicklung kann sich der Handel ferner auf 80Plus-Titanium-zertifizierte Netzteile einstellen." Titanium-Geräte sollen einen Wirkungsgrad von bis zu 96 Prozent erreichen. Das heißt, nur vier Prozent der aufgenommenen Energie, verbraucht das Netzteil selbst.

"Gute Netzteile glänzen mit sehr guten elektrischen Eigenschaften wie niedrigem ‚Ripple & Noise’ sowie hohem Wirkungsgrad", ergänzt Rene Grau, Technical Marketing Manager bei Cooler Master. "Außerdem sind sinnvolle Beigaben und Erweiterungen gern gesehen. Unsere Hybrid-Netzteile besitzen eine eigene Lüftersteuerung, welche nicht nur den eigenen Netzteillüfter regelt. Auch haben wir zusätzlich 7V-Anschlüsse an diesem Netzteil, um Gehäuselüfter mit weniger Spannung anzusteuern. Damit bleiben die Lüfter recht leise und der Kühlungsluftstrom aber reicht aus."

In der Praxis benötigen CPU und Grafikkarte in der Regel die meiste Leistung. Daher sollte der kombinierte Output der 12V-Leitungen mindestens 90 Prozent der gesamten Leistung entsprechen. "Dies ist heute immer noch bei vielen Netzteilen nicht der Fall", warnt Alexandra Kogan, International Marketing Specialist bei Enermax. "Zum anderen ist es wichtig darauf zu achten, dass Netzteile mit mehreren starken 12V-Leitungen ausgestattet sind. Diese bieten eine zuverlässige und stabile Stromversorgung aller Systemkomponenten. Der Vorteil von so genannten Multi-Rail-Netzteilen ist, dass jede einzelne 12V-Schiene eine Überstromsicherung besitzt. Dies verbessert die Sicherheit und Stabilität."

Mit dem Darksource stellt Sharkoon ein 80+ Platinum zertifiziertes Netzteil mit 700 Watt vor.

(Bild: Sharkoon)

Ein modulares Kabelmanagement sorgt für zusätzliche Flexibilität und wird speziell bei höherwertigen Produkten vorausgesetzt. Letztendlich entscheidet hier aber vor allem der Preis. Noch wichtiger ist dagegen eine stabile Stromversorgung. "Entsprechende und umfassende Schutzmechanismen und Vorrichtungen wie zum Beispiel Überspannungs-, Überstrom- und Kurzschluss-Schutz sollten nicht fehlen", meint auch Marina Schätzle, Marketingmanager DACH bei OCZ Technology. "Idealerweise ist das Netzteil auch temperaturgeregelt und verfügt über PCIe-Anschlüsse." Eine hohe Energieeffizienz ist gerne gesehen, der Aufpreis dafür, darf aber nicht zu hoch ausfallen.

"Wir rechnen in der Zukunft mit einer wachsenden Anzahl an 80Plus-Platinum-zertifizierten Netzteilen, die sich mit einer noch höheren Effizienz auszeichnen", sagt OCZ-Managerin Schätzle. "Diese Entwicklung ist auf die weiter zunehmenden Watt-Anforderungen zurückzuführen, infolge des steigenden Stromverbrauches bei Grafikkarten."

"2012 werden die Hersteller weiterhin auf die stromsparenden und umweltfreundlichen Technologien setzen", erwartet Enermax-Managerin Kogan. "Alle unsere Netzteile entsprechen bereits der neuen EU-Verordnung ErP Lot 6, nach der Computersysteme im Standby-Betrieb nicht mehr als ein Watt verbrauchen dĂĽrfen. Das Netzteil ist dabei neben dem Mainboard die ausschlaggebende Komponente. Die ErP Lot 6 wird in den kommenden Monaten auch Teil der CE-Zertifizierung und hat damit direkte Auswirkungen auf die Hersteller von Gaming-Computern und auf Systemintegratoren." (map)