Einsparpotenziale im Einkauf werden nicht genutzt
Die meisten Unternehmen sehen noch Einsparpotenziale im Einkauf. Die Methoden und Instrumente, die dabei helfen, diese umzusetzen, nutzt die Mehrheit aber nicht.
Welche Stellung nimmt der Einkauf in Unternehmen ein und wie hoch sind hier die Einsparpotentiale? Werden die passenden Instrumente und Methoden eingesetzt, um diese umzusetzen? Oder sehen die Firmen noch Beratungsbedarf? Diesen Fragen geht eine Einkaufsstudie nach, die Ende letzten Jahres von der Kloepfel Consulting, Düsseldorf und der TU Unternehmensberatung durchgeführt wurde. Befragt wurden Geschäftsführer, Einkaufsleiter, Einkäufer sowie "ausgesuchte Multiplikatoren" in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Elf Prozent der Teilnehmer kamen aus der ITK-Branche und der High-Tech-Industrie. 79 Prozent der Befragten hatten eine Position in der Einkaufsabteilung ihres Unternehmens inne.
Große Einsparpotenziale im Einkauf sehen demnach vor allem die mittelständischen Unternehmen. 40 Prozent der Firmen gaben an, dass sie glauben, mehr als fünf Prozent der Kosten einsparen zu können. Häufig ist hier allerdings wohl der Wunsch der Vater des Gedankens: Denn Geschäftsführung und Einkaufsleitung schätzen die Möglichkeiten deutlich höher ein, als strategische und operative Einkäufer, die bei den Verhandlungen tatsächlich am Tisch sitzen. Die Erkenntnis, dass die Möglichkeiten noch nicht voll ausgeschöpft sind bzw. die nötigen Prozesse noch nicht professionell genug ablaufen, ist allerdings bei allen Umfrageteilnehmern gegeben.
So sehen 59 Prozent der Teilnehmer noch Beratungsbedarf im Einkauf, besonders die operativen Einkäufer würden sich hier mehr Unterstützung wünschen. Bei Strategie, Methoden und der innerbetrieblichen Zusammenarbeit liegt bei diesem Thema demnach noch einiges im Argen. Gerade die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen ist hier keine Hilfe, sondern nach Ansicht der Befragten der Hauptgrund dafür, dass die möglichen Einsparpotenziale bisher nicht umgesetzt werden.
15 Prozent der Befragten gehen wohl auch davon aus, dass sich daran in naher Zukunft nicht viel ändern wird. Ihrer Aussage nach hat der Einkauf in der Strategie des Unternehmens nur einen geringen Stellenwert. 44 Prozent sehen den Einkauf in ihrer Firma als hoch bzw. sehr hoch gestellt an. Der Rest gibt den Wert mit "mittel" an. 56 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Einkaufsabteilung in ihrer Firma noch nicht das Ansehen und die Bedeutung genießt, die ihr eigentlich zustehen würde. Interessant: Die Geschäftsführung beurteilt den Stellenwert des Einkaufs deutlich höher als die dort tätigen Mitarbeiter.
Nachholbedarf gibt es auch beim Einkaufscontrolling: Nur bei 32 Prozent ist dieses Instrument bereits etabliert, bei 35 Prozent existiert es noch gar nicht. Den Aufbau bzw. Ausbau sehen dann auch 35 Prozent als dringende Aufgabe an. Oder andersrum gesagt: 65 Prozent sind sich dessen Bedeutung hinsichtlich der Einsparpotenziale offenbar noch gar nicht bewusst. Auch andere Analysemethoden, die durchaus hilfreich sind, werden kaum genutzt. Immerhin 57 Prozent fĂĽhren eine ABC-Analyse durch. Produktkostenanalysen gibt es hingegen nur bei 38 Prozent der Unternehmen, Make-or-Buy-Analysen und Wertanalysen fĂĽhrt auch nur etwa ein Drittel der Firmen durch. Bei der Anwendung von strategischen Instrumenten gibt es in den Einkaufsabteilungen also noch reichlich Nachholbedarf. (gs)