Serbische Mobtel geht fĂĽr 1,5 Milliarden Euro an Telenor
Sowohl Mobilkom Austria als auch die ägyptische Orascom gehen bei der Versteigerung von Mobi63, des früheren serbischen Netzbetreibers Mobtel, leer aus.
Die norwegische Telenor hat mit dem Höchstgebot von 1,513 Milliarden Euro am heutigen Montag den Zuschlag bei der Versteigerung des serbischen Mobilfunk-Netzbetreibers Mobi63 erhalten. Mobi63 ist die Nachfolgegesellschaft der Mobtel. Damit sind sowohl die ägyptische Orascom Telecom als auch die favorisierte Mobilkom Austria leer ausgegangen. Zwar hatte die Mobilkom den gleichen Betrag geboten, wollte jedoch nicht mehr erhöhen. Da sie am Freitag mit lediglich 805 Millionen aber ein geringeres Startgebot als Telenor (1,373 Milliarden) abgegeben hatte, erfolgte der Zuschlag gemäß den Versteigerungsbedingungen an Telenor.
Von den 1,513 Milliarden Euro gelten 320 Millionen als Preis für eine neue Mobilfunk-Lizenz (GSM 900, GSM 1800, UMTS), die zehn Jahre gültig ist. Weitere 358 Millionen gehen an das österreichische Investorenkonsortium um Martin Schlaff, Herbert Cordt und Josef Taus (ehemaliger ÖVP-Parteiobmann), welches einen 30-Prozent-Anteil an Mobi63 hält. Ursprünglich hatten sie 51 Prozent der Mobtel für 250 Millionen Euro gekauft.
Noch bis Weihnachten war die Mobtel-Übernahme als sichere Bank für die österreichische Mobilkom erschienen. Der Einstieg der Investorengruppe um Schlaff mit späterem Weiterverkauf an die Mobilkom hatte in Bulgarien bestens funktioniert. Nicht so in Serbien, wo die Regierung noch ein Hühnchen mit dem Oppositionspolitiker und früherem Mobtel-Mehrheitseigentümer Bogoljub Karic zu rupfen hatte: Zwischen Weihnachten und Neujahr war der Mobtel plötzlich unter einem Vorwand die Lizenz entzogen worden, das Unternehmen wurde unter Zwangsverwaltung gestellt, das Netz beschlagnahmt und die Kassen geleert.
Am Ende komplizierter Verhandlungen stand ein Kompromiss. Die Mobtel wurde in die neue Gesellschaft Mobi63 umgegründet, an der Schlaff & Co statt 51 nur 30 Prozent hielten. Diese Gesellschaft wurde nun versteigert. Das Ergebnis ist ein Misserfolg für die Mobilkom Austria ebenso wie für die österreichische Bundesregierung, die sich lange intensiv für die Übernahme eingesetzt hatte. Für die serbische Gewerkschaft bedeutete jedes Versteigerungsergebnis eine Niederlage, wollte sie doch den Verkauf überhaupt verhindern.
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(Daniel AJ Sokolov) / (jk)