Mit der Maus ins Tor: kickern online

Entstanden ist die Idee eines virtuellen Kickertischs, als der Lehrstuhl für BWL und Wirtschaftsinformatik der Universität Duisburg-Essen eine Studie zu Webseiten der Fußball-Bundesligisten erstellte.

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  • Julia Harzendorf
  • dpa

Mehr als 700.000 Tore sind in der 1. Fußballbundesliga bereits gefallen. 109.581 davon gehen auf das Konto von Borussia Mönchengladbach. Allerdings nicht auf dem Rasen, sondern auf dem Bildschirm: Bei der ersten virtuellen Kicker-Liga im Internet können sich Fans aller 18 Bundesligavereine messen und für ihren Verein punkten. Wie an einem echten Kickertisch verfügt jeder Spieler über Drehstangen mit Spielfiguren. Um beispielsweise die Mittelfeld- oder Abwehrspieler zu bewegen, wird der Cursor der Maus auf eine der Stangen gelegt. Durch Auf- und Abwärtsbewegungen der Maus lässt sich die Stange nach oben und unten bewegen. Mit einem Mausklick auf die Spielerfigur wird der Ball geschossen. Gespielt wird nicht gegen den Computer, sondern gegen einen Online-Spieler aus einem anderen Verein.

"Das ist technisch ganz einfach, dazu braucht man keine PC-Kenntnisse", versichert der Erfinder des "Virtual Kicker", Tobias Kollmann. Er ist Professor an der Universität Duisburg-Essen am Lehrstuhl für BWL und Wirtschaftsinformatik. Eine DSL-Internetverbindung, der Flash-Media-Player und die kostenlose Registrierung auf der Internetseite reichten für die Teilnahme.

Anpfiff ist jeden Mittwoch um 15:30 Uhr vor den offiziellen Samstagsspielen. Drei Tage und drei Nächte rollt der Ball dann über den Bildschirm. Aber im Unterschied zu ihren Vorbildern auf dem Rasen haben die Online-Kicker nur 2 × 45 Sekunden Zeit. Einmal für einen Verein entschieden, dürfen die Spieler die aktuelle Partie dann so oft kickern, wie sie möchten. "Nach jedem Online-Spieltag bekommt der Verein mit den meisten Toren einen Punkt. Der Endstand steht dann kurz vor dem realen Spielbeginn am Samstag fest", erklärt Kollmanns Mitarbeiter Matthias Häsel. In dieser Zeit sind durchschnittlich 300 Spieler online. Kein Wunder, gibt es doch bereits fast 38.000 Fans, die regelmäßig den Ball ins Rollen bringen.

Kickern darf jeder, der zuvor fünf Trainingsspiele absolviert hat. "Es kann passieren, dass die Online-Spieler einer Mannschaft mit großer Fangemeinde dann auf Gegner warten müssen", sagt Häsel. Däumchen drehen müssen die Fans aber nicht: Sie können Freundschaftsspiele austragen, mit Kollegen trainieren oder sich beim Chatten über Kicker-Tricks austauschen. Faul dürfen diese Tricks aber nicht sein. Ein "in Software gegossener Schiedsrichter" sorgt dafür, dass "U-Boote" die rote Karte erhalten. "Das sind Spieler, die sich für einen anderen Verein einloggen und absichtlich Niederlagen spielen", erklärt der Mitarbeiter. Mit einem realen Kicker könne man das Spiel nicht vergleichen, meint er. "Man braucht ein ganz schnelles Reaktionsvermögen und auch ein bisschen Erfahrung."

Entstanden sei die Idee eines virtuellen Kickertischs vor einem Jahr, als der Lehrstuhl der Universität eine Studie zu Webseiten der Fußball-Bundesligisten erstellte. "Wir haben festgestellt, dass es auf den Seiten kaum aktive Spielerbereiche gibt", erinnert sich Kollmann. Ein vergleichbares Projekt, bei dem zwei Computerspieler live gegeneinander kickern können, gebe es bisher noch nicht, meint man an der Uni. Als weiteres Highlight planen die Programmierer einen Zuschauermodus. "Wir haben einige Top-Spieler, da lohnt es sich sicher, zuzuschauen", sagt Häsel. (Julia Harzendorf, dpa) / (jk)