In Turkmenistan wurden erstmals zwei Internet-Cafes eröffnet
Der letzte Woche mit 89% Prozent gewählte neue Präsident Gurbanguly Berdymuhammedow machte sein Versprechen wahr und scheint das Land ein wenig öffnen zu wollen.
- Florian Rötzer
Geht man nach den Zahlen, herrscht im rohstoffreichen Turkmenistan mit einer Bevölkerung von 5 Millionen Menschen eine erfreulich lebendige Demokratie, in der sich die Wähler weitgehend einig sind. Nachdem im Dezember der autoritäre und exzentrische Präsident Saparmurat Nijasow, der sich auch "Turkmenbaschi" (Vater aller Turkmenen) nannte, gestorben war, wurden Wahlen angesetzt (Der Tod des Turkmenbaschi). Erstmals musste sich der designierte Nachfolger, Gurbanguly Berdymuhammedow, einer Konkurrenz von anderen Mitbewerbern, allerdings nur aus derselben Partei, stellen. Mit 89% der abgegebenen Stimmen hat letztes Wochenende trotzdem ohne Überraschung Berdymuhammedow bei einer angeblichen Wahlbeteiligung von 99% gewonnen. Es waren zwar einige Wahlbeobachter der OSZE vor Ort, sie kontrollierten die Wahlen in dem vor allem wegen seiner Erdgasressourcen umworbenen Land aber nicht offiziell und machen auch keinen Bericht.
Der neue Präsident hat nun immerhin eines seiner Wahlversprechen in die Tat umgesetzt und erstmals in dem bislang von der Außenwelt abgeschirmten Land zwei Internet-Cafes für die Allgemeinheit in der Hauptstadt Aschgabat eröffnet. Ausgestattet seien sie nicht nur mit Computern mit Internet-Verbindung, sondern auch mit anderen Bürogeräten wie Druckern, Brennern oder Kopiergeräten. Das Kommunikationsministerium berichtet, dass in nächster Zukunft weitere Internet-Cafes in der Hauptstadt und auch in anderen Städten eröffnet werden sollen. Berdymuhammedov kündigte überdies an, dass auch jede staatliche Schule über einen Internet-Zugang verfügen wird.
Nach einem AP-Bericht handelt es sich bei den zwei Internet-Ccafes um zwei kleine Räume mit jeweils fünf Computern und schäbiger Ausstattung. Die Betreiberin Jenet Khudaikulieva versichert, dass keine Websites blockiert werden, sie habe auch nicht festgestellt, dass Benutzer überwacht würden. Eine Stunde Online-Zugang kostet 3 Euro. Zwei Drittel der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze, das durchschnittliche Monatseinkommen liegt bei 76 Euro, die Arbeitslosigkeit ist hoch.
Siehe dazu den Bericht über Turkmenistan in Telepolis:
(fr)