Leben mit langer Leitung

Die Datenautobahn ist nicht ĂĽberall sechsspurig ausgebaut. DSL Light, GSM-Mobilfunkzellen oder ĂĽberlastete Hotel-WLANs sind eher Feldwege. Doch wer es richtig anfasst, muss beim Surfen keine Spinnweben ansetzen.

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Von
  • Johannes Endres

Kürzlich bejubelte die Bundesregierung, dass 99 Prozent aller Haushalte in Deutschland einen Breitband-Internetanschluss bekommen können. Das klingt besser, als es ist, denn als Breitbandanschluss wird jeder gezählt, der im Downstream mindestens 1 MBit/s schafft. Wer mit dieser Art von Internetzugang gestraft ist, wird nicht von „High-Speed-Internet“ reden.

Aber auch schnellere Anschlüsse können langsam wirken, wenn ein Download sie so sehr auslastet, dass nichts anderes mehr geht. Dieser Artikel beschreibt Techniken für PCs und kleine Netze, mit denen sich die vorhandene Bandbreite besser ausnutzen und gerechter verteilen lässt. Das Augenmerk liegt dabei auf Anschlüssen am unteren Ende der Geschwindigkeitsskala und Mobilfunknutzung mit Notebooks. Mit den Bandbreitenanforderungen von Smartphones und Apps befassen wir uns ab Seite 126.

Welche Alternativen auch in Regionen mit DSL-Unterversorgung für einen schnelleren Internetzugang bieten, finden Sie im Artikel ab Seite 124. Denn wenn der Provider nur eine langsame Leitung schaltet, kann man sie selbst nicht zu höherer Datenrate manipulieren. Bei DSL ist in der Gegenstelle (DSLAM) hinterlegt, welche Maximaldatenrate sie zulässt – das heimische DSL-Modem kann daran nichts ändern. Bei TV-Kabel-Internet gab es dafür zwar Techniken („Uncapping“), doch die kennen inzwischen auch die Anbieter und unterbinden sie.

Auch Fummeleien an Windows-Einstellungen bringen bestenfalls wenig. Denn sie wirken nur, wenn der Rechner die Daten nicht schnell genug schluckt oder ausspuckt. Aber eine Leitung mit wenigen MBit/s im Downstream kann jeder halbwegs aktuelle PC ohne Weiteres auslasten.

Dass der Internetanschluss zu langsam ist, merkt man vor allem beim interaktiven Benutzen: Surfen im Web, Videos schauen oder Online-Spiele zocken. Die vorhandene Bandbreite optimal auszunutzen heißt also, dass man diese Anwendungen einigermaßen flüssig nutzen möchte. Dazu kombiniert man drei Prinzipien: die übertragene Datenmenge reduzieren, die wichtigsten Daten zuerst übertragen und alles andere auf Zeiten zu verschieben, zu denen man anderes zu tun hat. Denn 1 MBit/s entspricht fast 11 GByte am Tag – eigentlich gar nicht so schlecht, wenn es gelingt, die Übertragungen auf den ganzen Tag zu verteilen.

Der erste Kandidat ist das automatische Windows-Update. Ab Werk ist es für drei Uhr nachts eingeplant, was man in der Systemsteuerung noch mal prüfen sollte. Wenn der Rechner zu dieser Nachtstunde an ist, saugt und installiert er die Updates, ohne zu stören. Dazu muss man ihn gar nicht ständig laufen lassen, denn Microsoft schickt die größeren Updates ja schubweise am ersten Dienstag des Monats.

Für die Updates benutzt Microsoft einen eigentlich sehr pfiffigen Mechanismus, den „Intelligenten Hintergrundübertragungsdienst“ (Background Intelligent Transfer Service, BITS). Der nimmt Downloadaufträge entgegen und versucht sie so im Hintergrund abzuarbeiten, dass der User möglichst wenig mitbekommt. Mit dem Windows-Bordmittel Bitsadmin kann man auf der Kommandozeile auch selbst Aufträge erteilen [1].

BITS benutzt nur so viel Bandbreite, wie gerade übrig ist. Allerdings kann der Dienst nur auf die Übertragungen des Rechners Rücksicht nehmen, auf dem er läuft. Wenn also mehrere Stationen im LAN um die externe Bandbreite konkurrieren, hilft BITS nicht weiter. Deshalb sind nächtliche Windows-Updates eine gute Idee.

Die meisten anderen automatischen Updates – etwa die von Java, Flash, Adobe Reader oder Apple-Software – sparen von Haus bei der Bandbreite. Sie prüfen nur mit wenigen kleinen Paketen beim Systemstart oder beim Einloggen, ob neue Versionen vorliegen, und laden sie erst mit Zustimmung des Users herunter. Solche Updates stößt man einfach an, wenn das Tagewerk getan ist, oder man den Rechner für längere Zeit verlässt.

Die Knöpfe für manuelle Updates des Flash-Players und für Java verstecken sich in den Systemsteuerungs-Applets dieser Software. Bei Firefox wählt man in den Einstellungen unter „Erweitert/Update“ den Punkt „Nach Updates suchen, aber vor der Installation nachfragen“ aus. Ähnliche Einstellungen bieten fast alle Programme mit Autoupdate-Funktion. Auch wenn die Versuchung groß ist: Lassen Sie die Autoupdates eingeschaltet, denn der durch eine Sicherheitslücke eingedrungene Spam-Trojaner belastet die Internetleitung weit mehr als die Updates.

Andere große Downloads verschiebt man mit Hilfe eines Downloadmanagers auf eine genehme Zeit. Kostenlose Software wie FreeDownloadManager (verlinkt über den c’t-Link am Ende des Artikels) bietet eine ausgefeilte Zeitsteuerung. Man kann entweder pro Download eine Startzeit einstellen oder lieber unter Optionen/Einstellungen/Zeitlimit einen passenden Zeit-Slot einstellen. Der sollte jedoch möglichst früh beginnen, denn er legt nur fest, wann FreeDownloadManager mit dem Saugen anfängt; eine automatische Unterbrechung bei Arbeitsbeginn ist nicht vorgesehen.

Download-Manager haben einen weiteren Vorteil: Sie nehmen abgebrochene Downloads wieder auf, sofern der Server das unterstĂĽtzt; inzwischen ist das die Regel. Wer sich an Modem-Internet und das bange Warten erinnert, ob der Download auch sicher nicht abbricht, kann aufatmen.

Aus der Internetsteinzeit stammt auch die Empfehlung, bei schwachen Leitungen lieber viele einzelne Bruchstücke als einen großen Brocken zu laden. Dank Download-Wiederaufnahme ist das nicht mehr nötig, aber es bremst: Beim „TCP Slow Start“ probieren Client und Server zu Beginn einer Verbindung aus, wie verlässlich diese ist. Daher fließen immer einige Pakete hin und her, bevor die maximale Geschwindigkeit erreicht ist. Bei einem zerlegten Download passiert das für jedes Teil wieder, bei einem großen Klotz nur einmal.

Webinstaller verringern zwar die übertragene Datenmenge, weil sie die tatsächlich benötigten Teile erst während der Installation nachladen. An einer dünnen Leitung verlängert das jedoch den ganzen Installationsprozess. Und man muss ihn in der Regel vor dem Bildschirm aussitzen, weil der Installer vielleicht unterwegs noch dumme Fragen stellt. Es schont daher insgesamt die Nerven, einen großen Download in der Nacht laufen zu lassen und das Paket dann in einem Rutsch zu installieren.

Viele Softwareanbieter stellen jedoch den Webinstaller in den Vordergrund. Bei Microsoft gibt es dann oft den Hinweis auf einen Download „für IT-Profis“, der das Gesamtpaket umfasst.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 8/2012.

Mehr Infos

Bandbreite ausreizen

Artikel zum Thema "Bandbreite ausreizen" finden Sie in c't 8/2012:

  • Tipps und Tricks fĂĽr schnelles Surfen - Seite 116
  • Alternative Internetzugänge - Seite 124
  • Smartphones auf Datensparsamkeit trimmen - Seite 128

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