Daten-Strom: Was Ladevorgänge verraten

Wer sein Elektroauto auflädt, hinterlässt Daten – woraus sich ohne größeren Aufwand Bewegungsprofile erstellen lassen. Genau dieses Szenario befürchten Datenschützer

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Von
  • Martin Vogt
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Hannover, 23. April 2012 – Sage mir, wann du wieviel Strom verbrauchst, und ich sage dir wie du lebst“ – das Aufkommen intelligenter Stromnetze (Smart Grids) ruft auch Datenschützer auf den Plan: Dass intelligente Stromzähler dabei helfen, Energiekosten zu sparen, etwa weil sich die Waschmaschine dann einschaltet, wenn die Kilowattstunde am billigsten ist, hat eine Kehrseite: Smart Meters ermöglichen es, regelrechte Nutzerprofile der Haushalte zu erstellen. Durch langfristige Aufzeichnung, Auslesen der Verbrauchsdaten per Fernzugriff und die Verknüpfungsmöglichkeiten derartiger Verbrauchsprofile mit anderen Daten sehen Kritiker die Privatsphäre gefährdet.

Was für heimische Verbraucher gilt, trifft erst recht auf die Elektromobilität zu: Anhand der Stromrechnung lassen sich Viel- oder Wenigfahrer ausmachen, und weil die E-Mobile wegen ihrer geringen Reichweite auch unterwegs an die Steckdose müssen, lassen sich regelrechte Bewegungsprofile erstellen. Zum Beispiel Authentisierungs- oder Bezahlprozesse an der Ladesäule oder der Strombezug von verschiedenen Stromanbietern – vergleichbar dem Roaming im Mobilfunk – ergeben eine Datenfülle, die bei weitem hinausgeht über die Zahl der Spuren, die ein Fahrer eines herkömmlichem Autos hinterlässt.

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Elektroautos hinterlassen ĂĽber den Ladevorgang Datenspuren ihrer Nutzer - DatenschĂĽtzer befĂĽrchten, dass daraus regelrechte Bewegungsprofile entstehen

Dieses Szenario ist Grund genug, die Elektromobilität aus dem Blickwinkel von Datenschutz und IT-Sicherheit zu erörtern. Dass E-Autos auf deutschen Straßen noch Exotenstatus haben, gibt den Experten Zeit, herauszuarbeiten, welche Neuerungen die alternativen Antriebe für die Autofahrer mit sich bringen. Außerdem: „Die IT-Sicherheit kommt bereits heute ins Spiel, weil die einzelnen Verkehrsträger sich künftig sehr viel stärker vernetzen“, sagt Volker Blandow, Global Head of eMobility bei der TÜV Süd Product Service GmbH, voraus.

Vor allem Datenschützer heben den mahnenden Zeigefinger. So sieht Peter Büttgen vom Fachreferat IV beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz und Informationsfreiheit (BfDI), die Unternehmen in der Pflicht, hier von Beginn an beim Verbraucher mit überzeugenden Konzepten zu punkten. „Wir haben es bei der Elektromobilität mit einem vollkommen gläsernen Autofahrer zu tun, weshalb es nicht nur auf die technische Nutzeridentität ankommt, sondern auch auf die persönliche Verifikation von Halter, Besitzer oder Eigentümer“, gibt Büttgen zu bedenken. Die entscheidende Ausgangsfrage sei, wer von wem welche Daten zu welchem Zweck benötige.