Adobe schließt nun auch Livecycle Collaboration Services
Fehler machen kann jeder. Nichts aus Fehlern lernen ist jedoch ein Problem. Genau das trifft auf Adobes Manager zu, die jetzt Livecycle Collaboration Services schließen lassen.
- Kai König
Wir haben mittlerweile alle verstanden, dass Adobes neue Strategie auf HTML5, Creative Suite und verschiedenen Enterprise-Lösungen basiert. Entwickler – na ja, wer braucht schon eine Entwicklergemeinde ...
Die Kommunikationspannen von November 2011 sollten Adobe eigentlich gezeigt haben, wie man Strategiewechsel nicht kommuniziert. Gegen Ende 2011 wurde dann zu Kreuze gekrochen und Whitepaper zur Roadmap von Flash, Flash Player und Flex veröffentlicht und Besserung gelobt.
Nun der nächste "Knüller". Adobe stellt seinen Online-Dienst Livecycle Collaboaration Services (LCCS) ein – früher auch unter Flash Communication Services oder Cocomo bekannt. Diese Information wurde ohne weitere Erklärung und Bereitstellung einer Migrations-Roadmap oder Ähnlichem allen Nutzern via E-Mail mitgeteilt. Das Ganze passiert zum 31. Dezember 2012, und Adobes Empfehlung ist, doch einfach Flash Media Server zu nutzen.
Wenn das nur so einfach wäre – allein vom technischen Standpunkt her sind bestimmte Eigenschaften von LCCS (z. B. Implementierung von Screensharing in eigenen Anwendungen) gar nicht möglich. Die Art und Weise, wie Adobes Management wieder mit Entwicklern umgeht, zeigt klar, dass die Manager nichts aus dem Debakel vom November gelernt haben.
Mir geht es dabei gar nicht um das Abschalten eines Services. Klar, es verändern sich Geschäftsziele und -strategien. Klar, muss man sich als Entwickler auch gegebenenfalls von lieb gewonnenen Techniken und Angeboten trennen. Die Frage ist immer nur, wie ein Anbieter mit dieser Situation umgeht. Circa neun Monate Vorlauf für das Abschalten eines Services, auf dessen Basis teils sehr große Kollaborations-Anwendungen erstellt wurden, ist deutlich zu kurz. Kunden einfach Flash Media Server als Alternative vorzuwerfen ist technologisch inadäquat.
Was Adobe hätte tun sollen (und auch teilweise noch tun kann):
- Einbeziehen von LCCS oder bestimmter Komponenten von LCCS in das Apache-Flex-Projekt
- Bereitstellen der gehosteten Lösung für mindestens drei weitere Jahre, um Bestandskunden hinreichend Zeit zur geordneten Migration zu lassen
- Die Kommunikation mit großen globalen Flash-Media-Server-Hostern starten, um LCCS möglicherweise in eine externe Drittanbieter-Lösung zu transferieren