ProSiebenSat.1 will neue Erlösquellen weiter stärken

Man habe das Fehlen der Fußball-WM im eigenen Programm gut weggesteckt, hieß es auf der Hauptversammlung der TV-Senderkette. Künftig wolle man Pay-TV, Video-on-Demand und Fernsehen übers Handy ausbauen; werbefinanziertes Free-TV bleibe das Kerngeschäft.

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  • dpa

Deutschlands größter TV-Konzern ProSiebenSat.1 hat nach eigenen Angaben das Fehlen der Fußball-Weltmeisterschaft in seinem Programm weggesteckt und geht mit Zuversicht in die zweite Jahreshälfte. Erste positive Impulse deuteten darauf hin, dass der Zuwachs des deutschen TV-Werbemarktes auch etwas mehr als die bisher erwarteten zwei Prozent betragen könnte, erklärte ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch am Mittwoch auf der Hauptversammlung der Senderkette. Dies werde man jedoch erst im Herbst mit Sicherheit wissen: "Wir versuchen, trotz der großen Sportereignisse in diesem Jahr, ein leicht überdurchschnittliches Wachstum unserer Werbeumsätze zu erzielen." Weiterhin stärken will das Unternehmen neue Erlösquellen wie Pay-TV, Video-on-Demand und Fernsehen übers Handy.

Bei einem Werbemarkt-Wachstum um zwei Prozent könnten die Umsätze der Senderkette von 1,99 Milliarden Euro im vergangenen Jahr voraussichtlich um vier bis fünf Prozent gesteigert werden, sagte Posch. Auch das Ergebnis werde sich dank einer anhaltenden Kostendisziplin weiter verbessern. Damit bestätigte das Unternehmen frühere Prognosen. Im zweiten Quartal verbuchte ProSiebenSat.1 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Erlösanstieg um 8,5 Prozent auf 550,9 Millionen Euro. Der Überschuss legte um 16,3 Prozent auf 83,4 Millionen Euro zu. Posch sprach von einem erfolgreichen zweiten Quartal. "Damit haben wir unseren Wachstumskurs fortgesetzt."

Während die Sender Sat.1, kabel eins sowie der Nachrichtensender N24 ihre Erlöse im zweiten Quartal jeweils zweistellig steigern und ihre Vorsteuerergebnisse kräftig ausbauen konnten, schnitt ProSieben mit Erlösen von 192 Millionen Euro lediglich auf Vorjahresniveau ab. Das Vorsteuerergebnis von ProSieben ging von 58,9 auf 51,4 Millionen Euro zurück. Aufs Halbjahr gesehen, blieb damit bei ProSieben ein Umsatzrückgang von 9,5 Prozent auf 348,1 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis der ersten sechs Monate brach um fast ein Drittel ein auf 58,8 Millionen Euro. Dazu habe neben geringeren internen Programmverkäufen auch die Quotenschwäche im vergangenen Jahr beigetragen, die sich noch in diesem Jahr auswirke, hieß es.

Aus neuen Erlösquellen will ProSiebenSat.1 in diesem Jahr rund zwölf Prozent des Gesamtumsatzes schöpfen und 2007 rund 15 Prozent, sagte Posch und bekräftigte damit frühere Aussagen. Unter anderem hatte der Konzern Verträge mit den großen Kabelnetzbetreibern über die digitale Verbreitung der Sender geschlossen sowie Verträge mit DSL-Providern für das Internetfernsehen IPTV. Im Juni war zudem Handy-TV über den Standard DMB an den Start gegangen. Von ProSiebenSat.1 sind darüber N24 sowie ein Entertainment-Kanal empfangbar.

Das Free-TV sei zugleich für das Unternehmen "mitnichten ein Auslaufmodell, ganz im Gegenteil", betonte Posch. "Werbefinanziertes Free TV, das möchte ich unterstreichen, wird auch in Zukunft das Kerngeschäft der ProSiebenSat.1-Gruppe sein – auch als Basis für unsere neuen Geschäftsmodelle." Die frei empfangbaren Sender weiter zu stärken bleibe "strategisches Ziel Nummer eins." (dpa) / (jk)