Studie: Online-Zeitungen bremsen den Zeitungsleserschwund

Seit Jahren ist der Anteil der Zeitungsleser unter den US-Amerikanern rückläufig. Online-Präsenzen der Zeitungen haben diesen Trend in den vergangenen vier Jahren aufgehalten, ergab eine Studie.

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Vor zehn Jahren haben etwa 2 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner mit "gewisser Regelmäßigkeit" Nachrichten im Internet nachgelesen. Heute, zehn Jahre später, ist der Anteil derjenigen, die sich drei- oder mehrmal pro Woche online Nachrichten beschaffen, auf 31 Prozent angewachsen. Der Aufstieg des Internets hat laut einer aktuellen Studie (PDF-Datei, 127 Seiten) des Pew Research Center For The People And The Press aber nicht dazu geführt, dass die Nachrichtenrezeption der US-Bürger seit den 90er-Jahren insgesamt zugenommen hat – im Gegenteil: Im Mai 2006 haben 81 Prozent der 3024 Befragten gesagt, dass sie sich am Vortag mit Nachrichten aus dem Radio, Fernsehen, der Zeitung oder dem Internet versorgt haben, im Januar 1994 waren es noch 90 Prozent.

Nur wenige US-Bürger, die online sind, nutzen das Internet als Primärquelle für Nachrichten, sondern eher als Ergänzung zu anderen Medien wie Fernsehen und Zeitung. Dabei besuchen die meisten US-amerikanischen Internetnutzer weniger Web-Präsenzen von Zeitungen, sondern Portale wie MSNBC, Yahoo und von CNN, von denen sie schnelle Updates der wichtigsten Schlagzeilen erwarten. Der Zeitfaktor spielt eine große Rolle für die Wahl des Mediums Internet. Dagegen sagt die Mehrheit der 40 Prozent Zeitungleser unter den Befragten, sie sehen die Lektüre als "entspannend" an; ein Aspekt, der bei Internet-Nutzern nicht im Vordergrund steht. 23 Prozent der Befragten, die keine Zeitung lesen, haben angegeben, die Lektüre sei ihnen zu zeitaufwendig, für 10 Prozent ist sie zu unbequem und für 8 Prozent sind Zeitungen zu parteiisch.

Der Anteil derjenigen, die angaben, am Vortag der Befragung eine Zeitung gelesen zu haben, ist seit 1994 von 58 Prozent auf nunmehr 40 Prozent zurückgegangen. Laut einer Gallup-Umfrage habe er 1965 sogar 71 Prozent betragen. Der Schwund an Zeitungslesern habe sich aber seit 2002 stabilisiert, resümiert die Studie weiter. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass Zeitungen zunehmend auch online verfügbar sind. Zusammen mit den geschätzten 5 Prozent der Befragten, die ihre Nachrichten ausschließlich aus Online-Präsenzen der Zeitungen bezogen, habe sich ein Zeitungsleseranteil von 43 Prozent ergeben, der ähnlich hoch sei wie in den zwei vorigen Untersuchungen vor vier und zwei Jahren.

Online-Zeitungen helfen dabei, den Leserschwund aufzuhalten, ergab die Auswertung weiter, und zwar ausgerechnet in der Altersgruppe, die von jeher nicht für eine übermäßige Zeitungslektüre bekannt war. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen ist der Anteil der Zeitungsleser mit 29 Prozent gegenüber 1996 stabil geblieben, während er in allen anderen drei Altersklassen um jeweils mindestens 9 Prozentpunkte zurückging. Zwar haben von den jüngsten nur 20 Prozent angegeben, eine Print-Zeitung gelesen zu haben, aber 7 Prozent haben eine Online-Ausgabe gelesen und 2 Prozent in beiden Versionen. Das hat zu dem Ergebnis geführt, dass heute mehr US-Amerikaner im Alter von 18 bis 24 Jahren Zeitung lesen als vor zehn Jahren. (anw)