Schweizer geben mehr Geld für Medien aus

Die Ausgaben der Schweizer Bürger für Medien und Mediennutzung sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Der Anteil Zugangswegen und Inhalten am Medienbudget der Bürger stieg, während Investitionen in Hardware zurückgingen.

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Von
  • Tom Sperlich

In der Schweiz wurde 2006 abermals viel Geld für Medien ausgegeben. Das teilte der Verband der Schweizer Presse mit, der zum dritten Male eine Studie zu den Medienbudgets der Privathaushalte durchführte. Gegenüber dem vergangenen Jahr stiegen die Investitionen in Medieninhalte (Content), Zugangswege (Access) sowie Medienträger (Hardware) um zwei Prozent auf rund 10,4 Milliarden Franken (6,28 Milliarden Euro). Demnach investierte in 2006 jeder Schweizer Haushalt im Durchschnitt 3.137 Franken (1.895 Euro) in Medien, im Vorjahr waren es noch 3.101 Franken (1.873 Euro). Sowohl bei den Ausgaben für Inhalte wie auch für den Zugang wächst der Markt weiterhin. Hingegen war er bei der Hardware leicht rückläufig.

Für Inhalte (Abonnements, Einzelverkäufe, Empfangsgebühren für Radio und TV, Internet-Downloads, Mobile Content usw.) gaben die Bewohner der Schweiz 5,8 Milliarden Franken aus (3,5 Milliarden Euro), für Geräte (Empfangsgeräte und PC-Hardware) knapp 3,1 Milliarden Franken (1,87 Milliarden Euro) und für den Zugang (Gebühren, Kabelnetze, Breitband-Verbindungen) 1,5 Milliarden Franken (900 Millionen Euro). Nicht berücksichtigt wurden die Ausgaben für individuelle Kommunikation (Gebühren für Telefonanschlüsse, Telefongespräche, SMS).

Gut 30 Prozent der gesamten Medienausgaben flossen laut der Erhebung in Investitionen für Computer, den Internet-Zugang sowie für Datendienste wie Downloads, Handy-Datenservices und Mehrwertdienste. Auf dem nachfolgenden Rang des Schweizer Medienbudget-Rankings folgen die Ausgaben für das Fernsehen mit einem Anteil von 24,3 Prozent, gefolgt von der Presse mit 17,1 Prozent sowie der Unterhaltungselektronik mit 14,8 Prozent. Für Bücher werden 6,6 Prozent des Medienbudgets ausgegeben, 4,4 Prozent für das Radio und 2,4 Prozent für das Kino, wobei Kino und Fernsehen am meisten von dem Wachstum profitiert haben (Kino plus 10 Prozent, die TV-Ausgaben wuchsen um 9 Prozent).

Schwer eingebrochen sind nach Angaben der Studie die Ausgaben für Computer im Heimbereich. Trotz sinkender Preise investierten Schweizer Haushalte 17,2 Prozent weniger in PCs. Bei Desktop-Geräten ist ein Einbruch von fast 30 Prozent zu verzeichnen. Der Studie zufolge haben die Konsumenten vor allem in andere Geräte investiert, etwa in Flachbild-Fernseher (die gesamten Ausgaben für TV-Empfangsgeräte stiegen um gut 23 Prozent, ein Drittel aller Haushalte soll bereits mindestens einen Flachbild-Fernseher besitzen). Eventuell wurden PC-Käufe aber auch in Hinblick auf eine geplante Investition in das neue Betriebssystem Vista verschoben, heißt es in der Studie. Für das laufende Jahr wird allerdings eine Trendumkehr bei den rückläufigen PC-Ausgaben erwartet.

Mit wachsenden Angeboten von Videos und Musik, Internet-Telefonie, Online-Gaming und Fernsehen via Internet ist auch die Nachfrage nach Breitband-Zugängen stark gestiegen. Um rund 16 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Franken (665 Millionen Euro) kletterten die Ausgaben für Breitband-Verbindungen, 60 Prozent dieses Betrages kommen von den Privathaushalten. Darüber hinaus hat jeder Schweizer Haushalt das Recht auf einen schnellen Internetanschluss, der nach dem Willen der Schweizer Regierung (Bundesrat) ab 2008 Teil der Telecom-Grundversorgung werden soll.

Der Umsatz für Internet-Downloads wuchs um 24 Prozent, der für mobile Downloads um 38 Prozent. Bezahlte Inhalte liegen bei den Lieferanten für Medieninhalten mit 19,3 Prozent an zweiter Stelle (Ausgaben hier über eine Milliarde Franken, rund 604 Millionen Euro). Die Presse ist mit einem Anteil von 30,6 Prozent im gesamten Content-Budget – trotz der vielen erfolgreichen Gratis-Zeitungen in der Schweiz und einem leichten Rückgang von 2,1 Prozent – weiterhin die größte Produzentin von Inhalten. An dritter Position liegt das Fernsehen mit 13,6 Prozent. Auch DVDs werden in Schweizer Haushalten immer beliebter. Rund 360 Millionen Franken (217 Millionen Euro) gaben Bewohner der Schweizer in 2006 für Filme auf DVD aus. Gewachsen ist auch der Markt der Computer- und Videospiele, nämlich um 14,4 Prozent auf 310 Millionen Franken (187 Millionen Euro).

Die sehr detaillierte Erhebung des Verbands der Schweizer Presse basiert auf Angaben von publizierten Branchendaten von Schweizer Wirtschaftsverbänden und Interessengruppen, statistischen Auswertungen von Bundesämtern und Sonderauswertungen von Medienforschungen. (Tom Sperlich) / (vbr)