Infineon noch im Umbruch
Ein Jahr nach dem unrĂĽhmlichen Abgang von Ulrich Schumacher ist Infineon weiterhin im Umbruch.
Ein Jahr nach seinem unrühmlichen Abgang beim Chipkonzern Infineon ist Ulrich Schumacher wieder hoch aktiv. Der 46- Jährige ist für seinen neuen Arbeitgeber Francisco Partners viel in den USA unterwegs. Er nimmt als Partner der Private-Equity-Firma Hightech-Unternehmen unter die Lupe. Mit dem Thema Infineon hat er nach Angaben aus seinem Umfeld abgeschlossen. "Schumacher ist mit Infineon im Reinen." Bei Infineon hat sich zwar die Atmosphäre seit der Ablösung Schumachers verbessert. Das Unternehmen befindet sich aber noch immer im Umbruch. Auch die Arbeitnehmervertreter, deren Feindbild Schumacher war, haben es derzeit nicht viel leichter. Vor allem die angekündigte Schließung des Münchner Werks sorgt für Unruhe.
Schumacher galt lange als einer der schillerndsten deutschen Manager. Er fädelte den erfolgreichen Börsengang der früheren Siemens-Sparte ein und fuhr dann zum Börsenstart an der Wall Street öffentlichkeitswirksam im Porsche vor. Mit massivem Stellenabbau, der Suche nach Schwachleistern im Konzern und mit der Drohung, den Firmensitz in die Schweiz zu verlagern, war er in der Folgezeit vor allem für die IG Metall ein rotes Tuch. Ende März 2004 wurde er dann überraschend abgelöst. Die Gründe blieben offiziell bis heute im Dunkeln. Es soll einen Aufstand seiner Vorstandskollegen gegeben haben, Streit über die richtige Strategie und eine vergiftete Atmosphäre im Konzern. Auch über die Rolle des Gesellschafters Siemens wird bis heute spekuliert.
Vor allem aber stand Schumachers Führungsstil in der Kritik. "In der täglichen Zusammenarbeit war er mit seinem rheinischen Humor schon auch angenehm", sagt ein einstiger enger Mitarbeiter Schumachers. Allerdings habe er sich zuletzt nur noch mit Ja-Sagern umgeben und auf wenige Vertraute gehört. Wer da nicht dazugehörte, habe es schwer gehabt. "Es war eine Schlangengrube."
Unter dem neuen Vorstandschef Wolfgang Ziebart hat sich die Atmosphäre durchaus entspannt. Den ganz großen Schnitt hat es unter seiner Führung bisher allerdings nicht gegeben; im Wesentlichen baut er auf dieselbe Strategie wie Schumacher und hält zum Beispiel am Speicherchip-Geschäft fest, das in den vergangenen Jahren für einen Großteil der horrenden Verluste verantwortlich war. "Die kommen unter Ziebart auch nicht richtig auf die Füße", kritisiert ein Unternehmenskenner mit Blick auf die weiter schwache Ertragslage.
In einer ersten Bilanz deutete Ziebart an, dass Infineon früher zu viel Geld in prestigeträchtige Randbereiche investiert habe, deren Zukunftschancen völlig ungewiss seien. Der Konzern habe es aber nicht nötig, "viel Geld auf Themen zu setzen, die weit weg sind". Der neue Vorstandschef will akribisch alle Verlustlöcher stopfen und sich dabei notfalls auch von kleineren, unprofitablen Sparten trennen. Mit Spannung schaut die Branche auf die Zukunft der Vorstandsmitglieder Andreas von Zitzewitz, Peter Fischl und Peter Bauer. "Es war erstaunlich, dass Fischl und Zitzewitz den Mut hatten, den Putsch gegen Schumacher auszuführen", sagt ein Unternehmenskenner. Ob sie sich aber halten können, wenn sich Ziebart voll etabliert hat, müsse abgewartet werden.
In jedem Fall muss Ziebart nach dem Verkauf der Venture-Capital- Tochter und von Teilen des Glasfasergeschäfts sowie der angekündigten Werksschließung rasch weitere Schritte folgen lassen. "Schumacher hat im extrem schnellen Umfeld der Chipindustrie schnell reagiert", sagt ein Branchenexperte. Ziebart, der aus der Autoindustrie kam, die langsamer tickt, müsse erst noch beweisen, dass er das Tempo halten kann. (Axel Höpner, dpa) (bo)