Mist-Tuk-Tuk
Der Zoo von Denver will seinen Tierdung zu Strom machen und hat dafür einen charmanten Werbeträger gefunden.
- Veronika Szentpetery-Kessler
Wenn Kleinvieh auch Mist macht, was kommt dann erst bei einem ganzen Zoo heraus? Genug, um damit in nennenswerter Menge Strom zu produzieren, sagte sich der Zoo von Denver im US-Bundesstaat Colorado. In dem Tierpark fallen laut der Tageszeitung Denver Post jedes Jahr mehr als 750 Tonnen an Dung sowie Besucher-Müll an, die bisher auf der Deponie landeten. Viel zu schade und wertvoll, befand der Zoo und will sich künftig die Müllabfuhrgebühren in Höhe von 150000 Dollar sparen. Stattdessen will er den Mist in ein umgerüstetes thailändisches Tuk Tuk stecken – eine Art motorisierte Rikscha, die nach ihrem tuckernden Motorgeräusch benannt ist – und dem charmanten, zwanzig Jahre alten Gefährt zu einer zweiten Karriere verhelfen.
Die neue Technik ist nicht gänzlich ungewöhnlich, aber die Idee, dass ein Zoo seinen eigenen Mist wegmacht, noch dazu äußert nutzbringend, das hat schon etwas. Das dreirädrige Gefährt, das ab Juni Zoo-Mitarbeiter und Besucher in der neuen Elefantenanlage herumfahren soll, wurde dafür mit einem Vergaser ausgestattet. Darin werden die zu Pellets gepressten Abfälle unter Ausschluss von Sauerstoff erhitzt, das entstehende Synthesegas im Motor verbrannt und zur Erzeugung von Elektrizität für den Antrieb des Tuk Tuk benutzt.
Und das ist erst der Anfang: das Tuk Tuk ist quasi ein fahrender Prototyp für eine stationäre Anlage, die 20 Prozent des Zoo-Energiebedarfs decken soll. Der Tierpark in Denver hat die selbst entwickelte Technik darüber hinaus auch zum Patent angemeldet und bewirbt diese Tatsache kräftig alliterierend als „patent-pending poop to power technology“. Gerade hat das Gefährt eine Werbetour durch verschiedene US-Zoos hinter sich gebracht und war Stargast des jährlichen Treffens des US-Verbandes für Zoos und Aquarien. Der Zoo in Denver hofft, dass sein Beispiel gewinnbringend Schule macht, und das nicht nur in anderen Zoos, sondern etwa auch bei Universitäten. Allerdings dürfte hier nur der Abfall aus den Abfallbehältern in den Vergaser wandern. (vsz)