Erster Entwurf der Linux Standard Base 3

Die Linux Standard Base ist eine herstellerübergreifende Initiative, um eine möglichst weit reichende Kompatibilität zwischen verschiedenen Linux-Distributionen sicherzustellen.

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Von
  • Oliver Lau

Die Free Standard Group hat eine erste Vorschau auf die Linux Standard Base (LSB) Version 3 vorgelegt. Die Änderungen seit der Vorgängerversion 2.0 sind allerdings geringer, als die neue Versionsnummer zunächst suggeriert.

Updates in der C++-ABI (Application Binary Interface) zwingen die Distributoren beispielsweise, eine GNU Compiler Collection (GCC) der Version 3.4 oder neuer einzusetzen. Damit geht einher, dass jede C++-Anwendung, die mit einer GCC 3.3 oder älter übersetzt wurde, neu kompiliert werden muss. Darüber hinaus haben die LSB-Standardisierer einige veraltete Schnittstellen gestrichen. Andere sind dafür hinzugekommen, etwa um die Kompatibilität zum POSIX-Standard zu verbessern. Das betrifft zum Beispiel die I/O-Bibliothek librt, die aus älteren LSB-Spezifikationen gestrichen wurde, weil deren Funktionen für asynchronen I/O nicht standardkonform waren. Details zu den Änderungen finden sich in den Release Notes.

Bis zum 15. April haben Interessierte die Möglichkeit, auf Fehler im Entwurf hinzuweisen. Daraufhin wollen die Standardisierer einen Release Candidate veröffentlichen, der sich dann nochmal 30 Tage den Argusaugen der Linux-Gemeinde stellen muss. In etwa drei Monaten soll die endgültige LSB 3.0 erscheinen.

Die Linux Standard Base ist eine herstellerübergreifende Initiative, um eine möglichst weit reichende Kompatibilität zwischen verschiedenen Linux-Distributionen sicherzustellen. Die LSB-Spezifikation unterteilt sich in eine architekturunabhängige (generic LSB) und eine architekturabhängige Spezifikation (archLSB, etwa für AMD64, Intels 32- und 64-Bit-CPUs oder für PowerPC-Rechner). Wie Jim Zemlin, Vorsitzender der Free Standard Group, bereits zur Veröffentlichung der Vorgängerspezifikation 2.0 kundtat, beuge die LSB einem Tohuwabohu inkompatibler Anwendungen und Änderungen im Kernel vor. So ließe sich die Offenheit von Linux besser ausnutzen, ohne dass Linux-Evangelisten darum fürchten müssten, gewinnorientierte Distributoren würden Linux wie seinerzeit Unix in herstellerspezifische Entwicklungsäste aufspalten. Suse Linux 9.2 beispielsweise ist derzeit nach LSB 2.0 zertifiziert. Auch Conectiva, Mandrakesoft, Progeny und Turbolinux haben sich auf die Einhaltung der LSB 2.0 in künftigen Produkten verständigt. (ola)