Tiscali kauft in Großbritannien zu

Nachdem der italienische Telekommunikationskonzern seine Aktivitäten unter anderem in Deutschland verkauft hat, baut er mit der Übernahme des Breitbandgeschäfts von Pipex seine Position in Großbritannien aus.

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Der italienische Telekommunikationskonzern Tiscali stärkt sein britisches Standbein mit der Übernahme des Breitband- und Festnetzgeschäftes der Pipex Gruppe. Wie das Unternehmen in Cagliari mitteilte, zahlt Tiscali etwa 210 Millionen Pfund (knapp 310 Millionen Euro). Die Transaktion steht noch unter Vorbehalt der Zustimmung der Anteilseigner. Pipex zählt rund eine Million Kunden, davon über die Hälfte im Breitbandbereich. Bisher hatte Tiscali nach eigenen Angaben etwa 1,4 Millionen Breitbandkunden in Großbritannien, das neben dem Heimatland zu den Kernmärkten der Italiener zählt.

Der britische TK-Markt befindet sich in einer Konsolidierungsphase. Nach Übernahmen der Konkurrenten – Carphone Warehouse hatte im vergangenen Oktober AOL UK übernommen – stärken die Italiener, die zuvor selbst als Übernahmekandidat gehandelt worden waren, ihre Position auf dem hitzigen Markt. Tiscali konnte sich mit seinem Angebot durchsetzen, nachdem andere Interessenten, darunter British Telecom und British Sky Broadcasting, abgesprungen waren. Aus anderen Ländern hatte sich die Gruppe zuletzt zurückgezogen. Das deutsche Zugangsgeschäft mit Privatkunden hatte im Februar die Freenet AG übernommen und das Geschäft in den Niederlanden wurde an KPN verkauft. Auch die tschechische Sparte steht zum Verkauf.

Pipex ist einer der letzten noch unabhängigen Anbieter von Breitband- und Telefondiensten auf der Insel. Zu dem Unternehmen gehören noch einige Hostinganbieter sowie eine Wimax-Sparte. Zunächst war an den Verkauf der gesamten Gruppe gedacht worden. Zu den Interessenten zählte dem Vernehmen nach auch die deutsche 1&1 Internet AG. 1&1 sieht Wachstumsmöglichkeiten angesichts der Konsolidierung auf dem deutschen Markt auch im Ausland. Die United-Internet-Tochter war auch zu den möglichen Käufern der deutschen Tiscali gezählt worden. Ob Pipex die Hostingsparte noch verkaufen wird, ist dagegen unsicher. Branchenkreisen zufolge werden auch alternative Szenarien durchgespielt. So scheint auch ein Börsengang nicht ausgeschlossen. (vbr)