Sonderpreis für deutsche Studenten beim Imagine Cup 2006
Das Finale des Entwicklerwettbewerbs "Imagine Cup 2006" in Delhi endete mit der Preisverleihung für 18 studentische Projekte.
Mit einer großen Party ging gestern Abend in Delhi der Imagine Cup 2006 zu Ende. Der weltweite, von Microsoft gesponserte Wettbewerb für Studenten stand in diesem Jahr unter dem Motto "Gesünder leben". Insgesamt reichten 68.000 Studenten in sechs Teilwettbewerben ihre Projekte ein. In nationalen Vorentscheiden qualifizierten sich 181 Studenten aus 42 Ländern für das Finale in Indien, darunter in der Kategorie Algorithmen Moritz Kroll von der Universität Karlsruhe sowie im Wettbewerb Software Design ein Team der Hochschule für Angewandte Wissenschaft (HAW) Hamburg mit dem Projekt "Trailblazers -- A Collaborative Path Finding Project". Das selbstlernende Navigationssystem soll Rollstuhlfahrern helfen, sich barrierefrei zu bewegen. Es dient zum einen dazu, mit Hilfe ortskundiger Rollstuhlfahrer Daten über hindernisfreie Routen zu gewinnen, und will andererseits Rollstuhlfahrern auf Reisen in ihnen unbekanntem Gelände als Orientierung dienen.
Am 6. August reisten die Finalisten nach Agra, wo ein 24-Stunden-Programmiermarathon stattfand; die Kurzfilmer hatten 36 Stunden Zeit, um ihre Beiträge zu drehen und zu schneiden. Für Präsentationen der sechs am besten bewerteten Teilnehmer jeder Gruppe sowie zur Preisverleihung ging es anschließend weiter nach Delhi. Während in allen anderen Wettbewerbsteilen Preisgelder zwischen 3.000 und 8.000 US-Dollar zu gewinnen waren, ging es in der Kategorie Software Design um 10.000 US-Dollar für Platz drei und 15.000 beziehungsweise 25.000 US-Dollar für die Plätze zwei und eins. Mit der Client/Server-Lösung "MediWatch" belegten vier Studenten aus Norwegen den dritten Platz. Die Client-Software erinnert beispielsweise diabeteskranke Kinder daran, regelmäßig ihre Blutwerte zu kontrollieren und schickt diese Werte an einen Server, über den die Eltern oder der behandelnde Arzt Zugriff auf die Daten haben. Platz zwei ging an drei brasilianische Studenten, die ein System vorstellten, welches Blinden die Orientierung in unbekannter Umgebung erlaubt. In welche Richtung er sich bewegen sollte, erfährt der Blinde durch zwei Armbänder, die mit unterschiedlicher Frequenz vibrieren. Platz eins ging an das vierköpfige Team aus Italien und sein Projekt "Hello World", das nicht körperliche, sondern psychische Gesundheit zum Thema hat: Patienten mit Stress- oder Angstsymptomen können damit eine Art Tagebuch führen und anhand von Bild-, Audio- und Videodaten ihren Tagesablauf nachvollziehen, um besser zu verstehen, welche Ereignisse Panikattacken auslösen. Web Services waren ein wichtiger Bestandteil fast aller Software-Projekte, während bei der verwendeten Hardware PDAs, Smartphones oder GPS-Handys eine zentrale Rolle spielten.
Das deutsche Team verpasste den Einzug in die Endrunde nur ganz knapp. Umso mehr freuten sich Mark Thomé, Martin Stein, Piotr Wendt und Sven Stegelmeier von der HAW, als sie doch noch auf die Bühne gebeten wurden, da sie als eines von sechs Teams am "Innovation Accelerator Programm" teilnehmen, welches von British Telecom gemeinsam mit Microsoft gesponsert wird. Dazu fahren die Hamburger Studenten Anfang 2007 für zwei Wochen nach Großbritannien, um ihr Projekt unter Anleitung von IT- und Wirtschaftsprofis der British Telecom alltagstauglich zu machen und ein Geschäftsmodell dafür zu entwickeln.
In der Kategorie Algorithmen gingen die Plätze eins bis drei komplett an Studenten aus Polen, in der Kategorie IT-Infrastruktur lagen Teilnehmer aus Österreich, Rumänien und Frankreich vorn und die besten Kurzfilme kamen aus Kanada, Polen und den USA. Die Präsentationen der Kategorie Interface Design erreichten nicht das hohe Niveau des übrigen Wettbewerbs. Einige Arbeiten verletzten grundlegende Ergonomie-Regeln, etwa durch zu kleine Schrift, fehlende Kontraste oder die ausschließliche Verwendung von Großbuchstaben und litten zudem darunter, dass einige der unter Windows XP entwickelten Anwendungen auf dem Vorführrechner unter Windows Vista nicht problemlos liefen. Hier belegte ein Team aus Brasilien den ersten Platz, gefolgt von chinesischen und indischen Studenten. Spielprogrammierer traten im Projekt Hoshimi gegeneinander an. Der erste und dritte Platz dieser Kategorie ging an französische Teams und Platz zwei belegten Studenten aus der Republik Serbien.
Spätestens bei der Ehrung der besten Kurzfilm-Teams erinnerte die Veranstaltung ein wenig an eine Oscar-Verleihung, inklusive vorübergehender Sprachlosigkeit bei den glücklichen Preisträgern, die im ersten Augenblick meist nur einen Dank an Microsoft für die Organisation des Wettbewerbs herausbrachten. Eine so prominente Rolle wollte der Sponsor im Rahmen des Imagine Cups jedoch gar nicht spielen. In kurzen Statements betonte Joe Wilson, der Direktor des Akademiker-Programms von Microsoft, vielmehr, dass es die Fähigkeiten und Ideen aller Teilnehmer seien, die den Imagine Cup ausmachen. Man wolle Studenten die Möglichkeit geben, ihr Wissen außerhalb der Universität in der Praxis zu erproben, sagte Ravi Venkatesan, Chairman von Microsoft India. Selbstverständlich geht es auch darum, künftigen Softwareentwicklern die Verwendung von Microsoft-Software nahezulegen. "Die Teilnehmer sind gehalten, innovative Ideen mit Hilfe des .NET Frameworks und dem Betriebssystem Windows zu demonstrieren" heißt es etwa in der Beschreibung des Wettbewerbs der Kategorie Software Design. Doch die Juroren versicherten, dass die Verwendung anderer Softwaretechniken bei der Bewertung der Projekte kein k.o.-Kriterium war und die Berücksichtigung offener Standards positiv bewertet wurde.
Der Imagine Cup 2007 soll unter dem Motto "Bessere Bildung für Alle" stehen; das Finale wird im nächsten Jahr in Seoul ausgetragen. (dwi)