Chinesische Kunden klagen gegen Dell

Chinesischen Medienberichten zufolge haben mindestens 20 Kunden in China Klage gegen PC-Hersteller Dell eingereicht. Es geht um Notebooks, die nicht in der beworbenen Konfiguration ausgeliefert wurden.

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Unzufriedene Kunden klagen in China gegen PC-Hersteller Dell wegen irreführender Werbung. Chinesischen Medienberichten zufolge sollen bereits mindestens 20 Klagen anhängig sein. Die Kunden hatten ein Dell-Laptop erworben, der laut Werbematerial mit einem Core Duo T2300 Prozessor bestückt sein sollte, aber mit einem T2300E ausgeliefert wurde. Der T2300 unterstützt Intels Virtualisierungstechnologie zum gleichzeitigen und unabhängigen Betrieb mehrerer Betriebssysteme, der Prozessor mit dem "E" nicht.

Ende Juni hatten sich Betroffene zuerst in chinesischen Foren ausgetauscht und über die Fehllieferung beschwert. Dell hatte daraufhin schnell reagiert und die verärgerten Kunden darüber informiert, dass der Unterschied zwischen den Prozessoren eher für Käufer von Servern oder Desktops relevant sei, auf denen zwei Betriebssysteme parallel laufen sollten. Die gleichzeitig angebotene Entschuldigung des Herstellers, der sich auf einen bedauerlichen Fehler bei der Aktualisierung des Marketing-Materials beruft, war den Kunden aber offenbar nicht genug. Anwälte schalteten sich ein, die Geschichte landete in den Medien und bekam einen griffigen Titel: "Processor Gate". Erst danach bot Dell den verärgerten Kunden die Rücknahme des Gerätes und eine Kaufpreiserstattung an.

Dell widmet sich dem Thema in dem zur Kommunikation mit dem Kunden eingerichteten Weblog. Der Hersteller argumentiert auch hier, der Unterschied zwischen den beiden Prozessortypen sei für Notebook-Anwender doch eher irrelevant. Das dürfte für den Fall aber weniger Bedeutung haben. Hier geht es um eine beworbene Gerätekonfiguration, die nicht geliefert wurde. So sehen es auch die Kunden in China, die sich von westlichen Firmen schnell als Kunden zweiter Klasse behandelt fühlen. Dem Gesetz hat Dell mit dem Erstattungsangebot wohl Genüge getan. Zur Pflege eines positiven Images und dem Versuch, Lenovo die Spitzenposition auf dem chinesischen Markt streitig zu machen, dürfte aber ein bisschen mehr Enthusiasmus notwendig sein.

Schon einmal haben öffentlich vernetzte Kunden dem Computerhersteller einen PR-Gau bereitet. Der Leidensweg des Journalisten und Bloggers Jeff Jarvis mit dem Dell-Support ging von seinem Blog durch das Netz und in die Medien. (vbr)