Kaum Entbündelung von Telekom-Leitungen in Österreich

Von 1999 bis Ende 2004 sind 72.900 von über 2,9 Millionen Anschlussleitungen der Telekom Austria entbündelt worden.

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2,5 Prozent der Anschlussleitungen der Telekom Austria (TA) waren zum Jahreswechsel entbündelt, also an einen TA-Konkurrenten vermietet, der die Leitung als Zugangsmedium zum Kunden nutzt. Dies geht aus dem Entbündelung Status Report 2005 der österreichischen Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) hervor.

Von 1999 bis Ende 2004 sind 72.900 von über 2,9 Millionen TA-Anschlussleitungen entbündelt worden. Dies ist weniger als der durch Abwanderung zum Mobilfunk verursachte Rückgang der Telekom-Anschlüsse alleine 2004 ausmachte (minus 3,5 Prozent oder 104.100). Aus dem Bericht geht hervor, dass sich überwiegend Geschäftskunden von der TA verabschieden. Über 80 Prozent der entbündelten Leitungen werden für Dienste genutzt, die praktisch ausschließlich bei Business-Usern im Einsatz sind (SDSL 52,8 Prozent, HDSL 9,2 Prozent, ISDN 18,1 Prozent). Die in Deutschland häufige gemeinsame Nutzung einer Leitung durch den Ex-Monopolisten für Sprachtelefonie und einen alternativen Anbieter für Breitbanddienste gibt es in Österreich nur auf dem Papier.

Marktführer bei Entbündelungen ist mit zirka 35.000 Anschlüssen Inode, Tele2 UTA hat etwa 25.000 Leitungen entbündelt. Am Markt noch wahrnehmbar sind Silver Server und eTel. Weitere 19 Anbieter haben zusammen weniger als 5000 Leitungen. 54 Prozent der TA-Kunden (1,5 Millionen Anschlüsse) können zwischen einem und sieben Entbündelungsanbietern wählen. Die übrigen 46 Prozent sind an ein Wählamt angeschlossen, das bislang von keinem alternativen Anbieter mit eigener Infrastruktur erschlossen wurde.

Die Daten werden nun unterschiedlich bewertet. Für die alternativen Anbieter ist die Entbündelung ein Misserfolg, was auf die von der Regulierungsbehörde zu hoch festgelegten Gebühren zurückzuführen sei: "Der Marktanteil der Telekom Austria beträgt nach sechs Jahren immer noch mehr als 97 Prozent", sagte Achim Kaspar, Präsident des VAT (Verband alternativer Telekom-Netzbetreiber) zu heise online. "Die alternativen Anbieter haben Millionen in die Entbündelung investiert. Aber der Preis für die nackte Kupferleitung ist bei 10,90 Euro netto pro Monat eingefroren. Dabei ist das Kabel schon in Monopolzeiten doppelt und dreifach abgezahlt worden. Wenn hier nicht eine deutliche Senkung erfolgt, wird es auch weiterhin keinen Wettbewerb im Anschlussbereich geben."

"Bei der Monatsmiete sehe ich keinen Spielraum nach unten", sagte RTR-Geschäftsführer Georg Serentschy. "Es gibt keine Hinweise auf geringere Kosten der Telekom Austria." Die 10,90 Euro lägen leicht unter dem EU-Schnitt (EU15 plus Ungarn). Allerdings möchte er die vergleichsweise hohen Einmalgebühren und die Mietpreise in den Vermittlungsstellen, wo die TA-Konkurrenten ihre Apparate aufbauen müssen (Kollokation), senken: "Die Quadratmeterpreise sind oft vergleichbar mit einem Innenstadtlokal in der Kärntner Straße, spiegeln also nicht ganz die Realität der Immobilienbranche wieder."

Die deutliche Zunahme von Entbündelungen in den vergangenen beiden Jahren (2004 plus 170 Prozent) sei ein Erfolg, so Serentschy, es gebe aber noch viel zu tun. Er strebe mittelfristig einen Entbündelungsgrad von etwa 10 Prozent an. Den Vergleich der Leitungsmiete (10,90 Euro) mit der niedrigsten Endkundengrundgebühr der TA (13,32 Euro) hält Serentschy nicht für passend. Entbündelung sei für Kunden, die für Premiumdienste bezahlen wollten. "Der Standardkunde ist mit einem Resale-Angebot wahrscheinlich besser bedient." (Daniel AJ Sokolov) / (anw)