Indische 100-Millionen-Investition in CD-Werk in ThĂĽringen geplatzt

Der indische CD-Hersteller Moser Baer hat eine geplante Investition von 100 Millionen Euro in eine neue Fabrik in ThĂĽringen endgĂĽltig gestoppt.

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  • dpa

Der indische CD-Hersteller Moser Baer hat eine geplante Investition von 100 Millionen Euro in eine neue Fabrik in Thüringen endgültig gestoppt. Das Projekt werde nicht realisiert, bestätigte das Wirtschaftsministerium am Dienstag in Erfurt. Als Grund nannte die Moser Baer India Ltd. (Delhi) in einem Schreiben an Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) die auf absehbare Zeit schwierige Marktsituation bei CDs und DVDs.

Die EU-Kommission hatte für das Werk mit 260 Arbeitsplätzen bei Erfurt bereits staatliche Beihilfen in Höhe von 35 Millionen Euro genehmigt. Zudem hatten Bund und Land eine Bürgschaft zugesagt. Trotzdem hatte sich der Baustart für das CD-Werk, der ursprünglich für August 2004 angekündigt war, immer wieder verzögert.

Reinholz äußerte sich enttäuscht über die Absage. Von staatlicher Seite seien alle Voraussetzung für die Fabrik, die als zentrale europäische Fertigungsstätte des Unternehmens für Speichermedien geplant war, geschaffen worden. Bei Zulieferern sollten weitere 180 neue Jobs entstehen. Die unternehmerische Entscheidung von Moser Baer, die sich an der Marktprognose orientiere, müsse jedoch respektiert werden, sagte der Minister.

Mit der Absage des indischen Unternehmens gehe Thüringen ein weiteres Mal eine Großinvestition verloren, sagte SPD-Fraktionschef Christoph Matschie. Statt immer wieder Firmenansiedlungen in Aussicht zu stellen, sollte die Landesregierung "für die Investorenwerbung alle Hebel in Bewegung setzen". Beispielsweise gebe es Pläne des Computerherstellers Dell, eine PC-Fabrik in Deutschland zu bauen. PDS-Fraktionschef Bodo Ramelow bezeichnete die gescheitere CD- Investition als "Luftschloss der Landesregierung". Das Vorhaben sei unter Kostenaspekten in Deutschland unrealistisch gewesen.

Nach geplatzten Investitionen von Merck in Jena und Edscha bei Arnstadt galt das CD-Werk neben einem Gemeinschaftsprojekt von Lufthansa und Rolls-Royce zur Wartung von Airbus-Triebwerken als derzeit größtes Industrievorhaben in Thüringen. Die Moser Baer- Tochter Optic Media Technology GmbH hatte eine Jahreskapazität von 200 bis 300 Millionen Scheiben geplant. Das Land hatte sich seit Mai 2001 um die Großinvestition bemüht. Mit der CDA Datenträger Albrechts GmbH mit etwa 200 Beschäftigten gibt es bereits eine CD-Fabrik in Thüringen.

Moser Baer ist nach eigenen Angaben mit rund 5000 Beschäftigten im internationalen Vergleich drittgrößter Produzent optischer Speichermedien. (dpa) / (tol)