Verizon installiert Glasfasernetz in New York
Rund drei Milliarden US-Dollar lässt sich Verizon Communications den Aufbau eines modernen Glasfasernetzes in New York City kosten. Doch das Vorhaben ist riskant.
"If I can make it there, I'll make it anywhere", drückte Frank Sinatra einst seine Liebe zu New York aus. Ähnliches gilt derzeit für den US-Telecomkonzern Verizon Communications. Um den kontinuierlichen Schwund von Kunden im Festnetzgeschäft aufzuhalten – die New York Times (NYT) spricht von 1000 Telefonkunden täglich, die Verizon insbesondere von Triple-Play-Anbietern aus der Kabel-TV-Branche wie Time Warner Cable oder Cablevision abspenstig gemacht werden – will das Unternehmen bis zum Ende des Jahrzehnts in den USA rund 20 Milliarden US-Dollar in eine neue Netzinfrastruktur investieren. Drei Milliarden US-Dollar sind allein für die Ostküsten-Metropole eingeplant.
In New York City ersetzt Verizon sein langsames Kupferkabelnetz gerade durch moderne Glasfasern, um darüber künftig eigene Triple-Play-Pakete mit Highspeed-Internet-Zugang, VoIP-Telefondienstleistungen und Kabel-TV zu vermarkten. Doch das Vorhaben ist riskant. Denn zum einen fehlt Verizon in der "City that never sleeps" bislang eine Kabelfernsehlizenz (und die Erteilung neuer Konzessionen ist längst nicht beschlossene Sache), zum anderen ist das unterirdische Verlegen von Glasfaserkabeln in der mit mehr als acht Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Stadt der Vereinigten Staaten alles andere als billig: In zentralen Stadtteilen wie Manhattan können sich die Kosten pro Meter verlegtem Kabel nach Einschätzung von Marktforschern auf 300 US-Dollar und mehr belaufen.
Verizon, das momentan vor allem vom Wachstum seiner Mobilfunktochter Verizon Wireless profitiert und im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Gewinn ohne Sonderposten in Höhe von 1,87 Milliarden US-Dollar verbuchen konnte, beginnt deshalb zunächst in der Bronx, in Queens sowie in Staten Island mit dem Knüpfen des neuen Glasfasernetzes – und zwar überirdisch: Ähnlich wie bei den Telefonleitungen werden die Glasfaserkabel ausgehend von zentralen Verteilereinheiten von Straßenmast zu Straßenmast gezogen, bevor sie in die Hausanschlüsse münden. In Staten Island, wo die Bevölkerungsdichte am niedrigsten ist, sollen bis Ende des Jahres bereits 90 Prozent der rund 170.000 Gebäude an das neue Verizon-Netz angebunden sein.
In Queens und der Bronx konzentrieren sich die Verizon-Strategen derzeit vor allem auf große Mieteinheiten, um auf einen Streich gleich mehrere hundert oder sogar tausende potenzielle Kunden zu erreichen. Problematisch gestalten sich laut NYT aber häufig die Verhandlungen mit den Eigentümern der Mietskasernen, die selbst ein Stück vom lukrativen Triple-Play-Kuchen abhaben wollen und deshalb saftige Mieten für den Zugang ins Haus fordern. Ob sich die Milliardeninvestition (abgesehen von signifikanten Einsparungen bei den Wartungskosten für das marode Kupferkabelnetz) für Verizon rechnen wird, ist also aus vielerlei Gründen ungewiss. "Wir müssen das Glasfaser-Projekt in New York aber durchziehen, sonst bleiben wir auf der Strecke", zitiert die New York Times einen Verizon-Mitarbeiter. (pmz)