OpenOffice.org begrüßt Microsofts Schritte zum offenen Dokumentenformat
Die Ankündigung von Microsoft, das XML-Dateiformat für sein kommendes Büropaket mit Codenamen Office 12 als offenen Standard bei ECMA International anzumelden, geht den Entwicklern von OpenOffice aber noch nicht weit genug.
OpenOffice.org hat in einer Stellungnahme auf die Ankündigung von Microsoft reagiert, das XML-Dateiformat für Office 12 als offenen Standard bei der europäischen Organisation ECMA anzumelden. Die Entwickler des offenen Büropakets begrüßen die Absichten der Redmonder, ihr zukünftiges Dateiformat Office Open XML offen zugänglich zu machen und unabhängig kontrollieren zu lassen. Darüber hinaus wollen sie Microsoft "dazu ermuntern, das bestehende und in der Praxis bewährte offene XML-Format 'Open Document Format for Office Applications' (kurz: OpenDocument) zu unterstützen", heißt es in einer Mitteilung der OpenOffice-Gemeinde.
Der Bedarf an einem offenen Standardformat für Office-Dokumente nehme immer mehr zu, heißt es weiter. Die Anwender würden zunehmend erkennen, "dass sie nicht in erster Linie in ein Programm investieren, sondern in ihr eigenes geistiges Eigentum in Form von Textdokumenten, Tabellen und Datenbanken". Von dieser "intellektuellen Investition" könne man auf Dauer nur dann profitieren, wenn diese Daten in einem herstellerunabhängigen, offenen Dokumentenformat gespeichert würden. OpenDocument sei eine in allen Punkten offene Dateispezifikation, herstellerunabhängig und frei von jeglichen Lizenz- und Patentlasten. Hersteller und Entwickler müssten nicht mehr mit nur beschränkt zugänglichen Spezifikationen arbeiten, da der OpenDocument-Standard schon jetzt verfügbar sei.
Microsoft hatte seinen Schritt damit begründet, ein Dokumentenformat etablieren zu wollen, das standardisiert, stabil und offen ist, sodass die Nutzer es zu jedem Zeitpunkt und auf jede gewünschte Weise nutzen können. Für OpenOffice.org erscheint dies begrüßenswert, aber wohl nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dabei steht eine wichtige Tür bereits offen, denn das Zertifizierungsgremium des OpenDocument-Formates, die Organization for the Advancement of Structured Information Standards, (OASIS), wird auch von Microsoft unterstützt.
OASIS hat in OpenDocument auf der Basis des Dateiformats für OpenOffice Definitionen festgelegt, mit der sich Dateien aus Office-Paketen zwischen unterschiedlichen Softwaresystemen und Plattformen problemlos austauschen lassen sollen. Im Gegensatz zu Microsoft wird das Format von OpenOffice 2.0 und von StarOffice 8, aber auch von KOffice, Textmaker 2005 oder beispielsweise AbiWord unterstützt. In jüngster Zeit hat sich der öffentliche Druck auf Microsoft verstärkt: Im US-Bundesstaat Massachusetts sollen öffentliche Institutionen künftig das OpenDocument-Format einsetzen, das auch von der EU-Kommission unterstützt wird. Ende September wurde es der International Organization of Standardization (ISO) vorgelegt, damit es als Standard anerkannt wird. Inzwischen versammeln sich hinter OpenDocument immer mehr Unterstützer. (anw)