PC-Spezialist will Electronic Partner verklagen

Rosenkrieg oder abgekartetes Spiel? 20 Franchisenehmer kĂĽndigten PC-Spezialist die Partnerschaft.

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Von
  • Torge Löding

Die Franchisekette PC-Spezialist hat gerichtliche Schritte gegen den Konkurrenten Electronic Partner (EP) angekündigt. Hintergrund ist die Ankündigung von 20 Franchisenehmern vom April, von PC-Spezialist zu EP zu wechseln. Frank Roebers, Vorstandssprecher von PC-Spezialist, gab sich im Gespräch mit heise online überzeugt davon, dass sein Unternehmen Opfer einer Attacke zur systematischen Kundenabwerbung durch EP geworden sei. "EP-Außendienstmitarbeiter haben behauptet, dass unsere Verträge sittenwidrig seien und versprochen, dass EP sämtliche Auflösungskosten genauso übernehme wie die für neuen Ladenbau und Außenwerbung", erklärte Roebers. EP soll PC-Spezialist-Franchisenehmern außerdem "Kopfprämien" versprochen haben, wenn Sie weitere Franchisenehmer zum Wechsel zu EP bewegen würden. heise online liegen mittlerweile die Eidesstattlichen Versicherungen von vier PC-Spezialist-Franchisekunden vor, die diese Darstellung stützen, aber nicht auf das Angebot von EP eingestiegen sind.

EP-Vorstand Oliver Haubrich weist diese Darstellung zurück. "Die Gruppe der 20 hat sich selbstständig an uns gewandt", sagte Haubrich gegenüber heise online. In der ganzen Sache sehe er vor allem eine Schlammschlacht, an der er sich nicht beteiligen wolle. "Wir haben auch noch keine Klageschrift oder auch nur einen Hinweis darauf von PC-Spezialist bekommen", betonte er. Die Sichtweise von Haubrich bestätigt wiederum Karl Biegel, Geschäftsführer der abtrünnigen PC-Spezialist-Filiale in Trier. "Eine Gruppe von PC-Spezialist-Kunden war schon seit geraumer Zeit unzufrieden", sagte er gegenüber heise online. "Es gab lange Zeit überhaupt keine Neuerungen, weder in der Werbung noch im Sortiment."

Fakt ist jedenfalls, dass sich die 20 abtrünnigen Franchisenehmer und einige andere Filialen bereits im vergangenen Jahr zu der Interessengemeinschaft PC-Spezialist Franchise AG e.V. zusammengeschlossen hatten. Biegel war einer der Sprecher dieser Gruppe und wollte nach eigener Aussage durch konstruktive Gespräche Veränderungen anregen, sei dabei aber auf Granit gestoßen.

Frank Roebers hält dagegen: "Hier wurde sehr schnell eine Eskalationsstrategie gefahren. Statt eines konstruktiven Dialoges konzentrierte sich die Kommunikation auf die Frage, ob das Franchisesystem zu teuer sei. Wir hatten sehr früh den Verdacht, dass sich hinter der Gründung der Interessengemeinschaft die Absicht verbirgt, so viele Franchisenehmer wie möglich zum Austritt zu bewegen. Seit gut einer Woche haben wir die Gewissheit, dass es so war", sagte der PC-Spezialist-Vorstand. Die Kündigung der 20 Franchisenehmer hält er indes für rechtswidrig.

"Das ist doch Quatsch", entgegnete Karl Biegel. "Und es ist mir auch nicht klar, wo das alles hinführen soll, wenn unsere Kündigung jetzt in Frage gestellt wird. Eine gemeinsame Zukunft kann es doch gar nicht mehr geben." Nachdem die Interessengemeinschaft im dritten Quartal nach eigenen Angaben erfolglos versucht hatte, gerichtlich Auskunft über alle Einnahmen von PC-Spezialist zu erlangen, habe man in diesem Kontext Klage erhoben. Auch um dieser Nachdruck zu verleihen, habe man sich von PC-Spezialist abgewandt. "Für uns als Mittelständler ist das natürlich durchaus ein Risiko."

Eine Bedrohung für das eigene Unternehmen sieht PC-Spezialist-Chef Roebers indes nicht. "Es ist ärgerlich, 30 bis 40 Millionen Euro Außenumsatz zu verlieren. Das gesamte Außenumsatzvolumen unserer Partnerbetriebe beträgt allerdings mittlerweile 2,3 Milliarden Euro. Auch wenn unter den 20 Austrittswilligen 2 starke Franchisenehmer sind, ändert das nichts daran, dass wir nur geringe bis keine Ergebnisauswirkungen erwarten." (tol)