Lockheed Martin will einen Quantenradar patentieren
Der vom US-Rüstungskonzern in einem Patentantrag beschriebene Quantenradar soll durch alle Medien auf große Entfernungen auch kleine Objekte sichtbar machen.
- Florian Rötzer
Quantencomputer sind noch in weiter Ferne, auch wenn Grundlagen bereits gelegt sind und sie im Labor funktionieren. Doch bislang ist die Verschränkung nur mit wenigen Qubits gelungen. Bei verschränkten, aber örtlich getrennten Photonen findet keine Informationsübertragung im klassischen Sinne statt, aber sie bilden ein Paar, bei dem unabhängig von der Entfernung etwa die Bestimmung der Polarisation des einen Teilchens die des anderen unmittelbar festlegt.
Ein Patent, dass der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin beim Europäischen Patentamt unter der Nr. EP1750145 beantragt hat und vom Guardian gefunden wurde, will die von Einstein als "spukhafte Fernwirkung" bezeichnete Eigenschaft für ein Radarsystem nutzen, mit dem sich die Beschränkungen herkömmlicher Radarsysteme überwinden lassen sollen.
Herkömmliche Radarsysteme sind begrenzt durch das Verhältnis zwischen großer Reichweite und Frequenz. Aufgrund der Rayleigh-Streuung wird die räumliche Auflösung durch die Wellenlänge beschränkt. Mikrowellen mit hoher Frequenz werden in der Atmosphäre sehr viel stärker als solche mit niedriger Frequenz absorbiert, weswegen für Radarsysteme eine große Reichweite mit geringer Auflösung verbunden ist. Bei Bodenradarsystemen, mit denen man tiefer unter die Oberfläche eindringen will, müssen niedrige Frequenzen benutzt werden, sodass sich nur größere Objekte sehen lassen.
Nach dem Patentantrag von Lockheed Martin spielen diese Beschränkungen beim Quantenradar keine Rolle mehr, da zwei verschränkte Photonen die Radaraufgaben übernehmen. Ein Generator würde ein Signal produzieren, das je nach Medium und gewünschter Auflösung eine Vielzahl verschränkter Teilchen enthält. Wenn Photon 1 eines verschränkten Paares auf das Zielobjekt trifft, hat das unmittelbar Auswirkung auf das detektierte Photon 2 und das völlig unanbhängig davon, was sich zwischen den beiden Photonen an Gegenständen oder atmosphärischer Störung befindet. Zur Analyse könnten dann zumindest einige der verschränkten Teilchen ausgewertet werden, um Ort, Geschwindigkeit, Entfernung, Größe, Oberflächenbeschaffenheit oder auch Zusammensetzung eines Objekts zu erkennen.
So ließen sich auch, wie es in dem Patentantrag heißt, Geräte für Flugzeuge oder Satelliten bauen, die auf große Entfernung "nützliche Einzelheiten des Zielobjekts durch den Hintergrund und/oder Störsignale, durch Plasma-Felder um Überschallflugzeuge, durch die Schichten, mit den Anlagen im Untergrund verborgen werden, oder Straßenbomben (IEDs), Minen und andere Bedrohungen visualisieren". Wenn es denn jemals ein Quantenradar geben sollte, hat es Lockheed Martin jedenfall schon einmal patentiert. (fr)