Millionenstrafe für DRM-Verletzung bei Online-Game

Ein Bundesgericht in Kalifornien hat die Betreiber eines alternativen Zugangsservers zum Rollenspiel MapleStory aufgrund des Umgehens von Kopierschutzverfahren zu einer Zahlung von 200 US-Dollar pro Nutzer verdonnert.

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Ein Bundesgericht in Kalifornien hat die Betreiber eines alternativen Zugangsservers zum Online-Rollenspiel MapleStory zum Zahlen eines Schadensersatzes in Höhe von insgesamt rund 3,6 Millionen US-Dollar verdonnert. Mit ihrer Plattform UMaple hätten die Beklagten das von der Inhaberin der Game-Rechte, der US-Firma Nexon America, eingesetzte System zum digitalen Rechtekontrollmanagement (DRM) umgangen, befand der zuständige Richter Otis Wright in der mittlerweile veröffentlichten Entscheidung (PDF-Datei). Der Kläger hatte zunächst eine Sanktion in Höhe von über 44 Millionen US-Dollar einschließlich der Übernahme der Gerichtskosten durch den Gegner beantragt, was Wright aber deutlich zu hoch erschien.

Schon die vom Digital Millennium Copyright Act (DMCA) vorgesehene Mindestsumme an Ausgleichszahlungen stelle in dem Fall einen "Zufallsgewinn" für Nexon dar, hielt der Richter fest. Die Summe sei deutlich höher als nötig, um die Beklagten vor künftigen Rechtsverletzungen abzuhalten. Wright kalkulierte seine Rechnung anhand der 17.938 Nutzer, die UMaple hatte. Für jeden setzte er das vom DMCA geforderte Minimum an Schadenersatz in Höhe von 200 US-Dollar an. Die beiden Programmierer der Plattform, Gurvinder Kumar and Jessica Kaplan, rügte er, da sie nicht vor Gericht erschienen seien und keine Stellungnahmen abgegeben hätten.

Nexon forderte zudem einen Einnahmeausfall in Höhe von fast 69.000 US-Dollar. Wright erklärte, dass die Beklagten zwar tatsächlich Werbung auf ihrer Seite gehabt und um Online-Spenden gebeten hätten, mit denen sich Nutzer mehr Privilegien im Original-Spiel verschaffen konnten. Trotzdem habe der Rechteinhaber die angeblich entstandenen Verluste nicht ausreichend belegen können. Letztlich erkannte er nur an, dass die Kopierschutzknacker dem Kläger 398 US-Dollar schuldeten, die ihnen Google-Werbebanner einspielten. Beobachter werten den Fall als neues Beispiel dafür, wie lächerlich die Schadensersatzbestimmungen beim Umgehen von DRM seien. (mho)