Bulgarische Tochter erfreut Telekom Austria
Der Halbjahresgewinn des Konzerns ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 53 Prozent gestiegen.
Im ersten Halbjahr 2006 hat der Konzern Telekom Austria (TA) einen Nettogewinn von 284,9 Millionen Euro erzielt, was einem Plus von 53,2 Prozent im Jahresabstand entspricht. Ein nicht bezifferter Großeil des Zuwachses entfälllt auf die bulgarische Mobilfunktochter Mobiltel, die in den Vergleichszahlen aus dem ersten Halbjahr 2005 noch nicht enthalten ist. Ein Kundenwachstum von 19,2 Prozent auf 3,86 Millionen hat sie zum größten Unternehmen des Konzerns gemacht. Getrübt wird die Freude durch die Niederlagen des Konzerns bei Ausschreibungen in Serbien und der Slowakei. Die offizielle Sprachregelung dazu lautet: "Der Rückzug aus der (serbischen) Auktion spiegelt den Fokus auf die Wertschaffung wider und bietet Handlungsspielraum für die Überarbeitung der Mittelverwendungsstrategie."
Die Zeichen bei der "Mittelverwendungsstrategie" stehen weiter auf hohen Dividendenausschüttungen, Aktienrückkauf und neuen Expansionsversuchen. Nächstes Projekt ist die 65-Prozent-Privatisierung der Telekom Srpske in Bosnien und Herzegowina. Auch auf Netzbetreiber in der bosnisch-kroatischen Föderation des Landes hat die TA ein Auge geworfen. Offen ist, ob sich die slowenische Mobilfunk-Tochter Si.mobil um eine der drei neuen UMTS-Lizenzen bewirbt. Und dann ist da wieder Serbien, wo eine dritte Mobilfunklizenz ausgeschrieben werden soll. "(Der Mindestpreis von) 320 Millionen Euro sah zunächst prohibitiv aus", so Nemsic, "aber nachdem für die (Mobtel-Nachfolgegesellschaft) Mobi63 1,6 Milliarden Euro bezahlt wurden, ist das im Rahmen des Üblichen." Der Geschäftsplan wird gerade durchgerechnet. An Marktauftritten als Untermieter in fremden Mobilfunknetzen (MVNO) haben die Österreicher kein Interesse.
Die Gesamtkundenzahl der TA schnellte im Jahresabstand um 89,1 Prozent auf 9,46 Millionen (+12 Prozent ohne Mobiltel), der Umsatz wuchs um 32 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro (+6,4 Prozent ohne Mobiltel). Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) wurde um 40,5 Prozent auf 579,3 Millionen Euro verbessert (+1,3 Prozent ohne Mobiltel), was einer EBITDA-Marge von 41,4 Prozent entspricht. "In meinen Augen sehr gute Zahlen", kommentierte TA-Chef Boris Nemsic.
Im österreichischen Festnetz hatte die TA noch nie so zufriedene, aber auch noch nie so wenige Kunden. Im abgelaufenen Halbjahr wurde durchschnittlich alle 225 Sekunden eine Anschlussleitung abgeschaltet. Zuwächse im internationalen Transit-Geschäft sowie bei ADSL-Anschlüssen führten zu einem fast gleich hohen Umsatz (–0,5 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro). Da der Gesamtmarkt jedoch noch schneller schrumpft, stieg der Minuten-Marktanteil nach TA-Schätzung um 0,7 Prozentpunkte auf 56,3 Prozent. Das EBITDA fiel um 4,1 Prozent auf 400,8 Millionen Euro.
Die Mobilfunkgesellschaften konnten fast alle veröffentlichten Kennzahlen verbessern. Die Umsätze kletterten zwischen 2,7 Prozent (Mobilkom Austria) und 105 Prozent (Mobilkom Liechtenstein). Die Kundenzahlen stiegen zwischen 5,3 Prozent (Mobilkom Austria, nunmehr 3,47 Millionen) und 30 Prozent (VIPnet in Kroatien, nunmehr 1,73 Millionen). Beim EBITDA gab es kaum Veränderungen, nur im kleinen Liechtenstein gab es ein deutliches Plus von 42,9 Prozent auf 2 Millionen Euro. (Daniel AJ Sokolov) / (anw)