Wissenschaftler zĂĽchten Resistenz gegen Depressionen
Forscher am Research Institute of the McGill University Health Centre in Montreal haben durch Ausschaltung eines Gens nach eigenen Angaben "permanent fröhliche" Mäuse erzeugt.
- Florian Rötzer
Forscher am Research Institute of the McGill University Health Centre in Montreal und von der Universität von Nizza haben erstmals eine gentechnische Möglichkeit entdeckt, wie sich vielleicht irgendwann Depressionen auch beim Menschen durch Herstellung neuer Medikamente beseitigen lassen könnten. Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience schreiben, seien Mäuse, bei denen das TREK-1-Gen ausgeschaltet wurde, gegenüber "depressionsähnlichen" Symptomen wesentlich resistenter als ihre unveränderten Artgenossen. "Die Ergebnisse haben uns überrascht", sagt der Psychiater Guy Debonnel vom MUHC. "Unsere 'Knock-out'-Mäuse verhielten sich, als wären sie mindestens drei Wochen lang mit Antidepressiva behandelt worden."
TREK-1 ist ein Gen, das einen Kalium-Kanal kodiert, der von mehreren Transmittern reguliert wird, darunter auch von Serotonin (5-Hydroxytryptamin). Von Serotonin nimmt man an, dass es eine Rolle bei Depressionen spielt. Antidepressiva wie die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) verhindern die Aufnahme des Neurotransmitters in die Nervenzellen und gleichen so den Mangel an Serotonin, der für die Depression mit verantwortlich gemacht wird, aus. Überdies scheinen die "nicht-depressiven" Mäuse im Hippocampus auch vermehrt neue Neuronen zu bilden, was auch bei Antidepressiva beobachtet worden ist.
Wird in Mäusen das TREK-1-Gen ausgeschaltet, so sorgt dies auch dafür, dass die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol bei Stress verringert wird. Stress gilt als eine der Ursachen von Depressionen. In den Test verhielten sich die Mäuse mit dem abgeschalteten Gen ansonsten normal. Daher gehen die Forscher davon aus, dass sich Antidepressiva entwickeln ließen, die den Kaliumkanal blockieren und so die Depression beseitigen, ohne zu den Nebenwirkungen der bislang verfügbaren Antidepressive zu führen.
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