Medienkünstler untersuchen Dokumente
Das 18. European Media Art Festival thematisiert das "Document" als Dokumentation des Alltags über die Dokumentation der Öffentlichkeit als Überwachung von Plätzen und Straßen bis zum Dokument als Identitätspapier, als Ausweis.
In Osnabrück ist am gestrigen Mittwochabend das 18. European Media Art Festival eröffnet worden. Mit 50 Installationen und Ausstellungen sowie 225 Filmen wird das "Document" thematisiert. Die Spannbreite reicht von der Dokumentation des Alltags über die Dokumentation der Öffentlichkeit als Überwachung von Plätzen und Straßen bis zum Dokument als Identitätspapier, als Ausweis.
Prominentester Festivalteilnehmer ist Peter Greenaway, dessen Tulse-Luper-Projekt als Online-Spiel, als Online-Netzwerk, als Film und als Buch vorgestellt wird. Im Mittelpunkt des Projektes steht der fiktive Tulse Luper, dessen Geschichte in 92 Koffern erzählt wird, mithin eine Wiederaufnahme der dreistündigen Dokumentation The Falls. In diesem Film berichten 92 Opfer des Violent Unknown Event (VUE), unter ihnen Tulse Luper, über ein Ereignis. Das Tulse-Luper-Projekt soll insgesamt aus drei Spielfilmen, einer Fernsehserie und einer Sammlung von 92 DVDs bestehen. Technisch wirbt das Projekt für HDTV-Qualität.
Das bis zum 24. April dauernde Festival bietet ferner eine Werkschau der Filmemacher Harun Farocki und Owen Land (George Landow). Zudem präsentiert es Internet-Arbeiten wie Balkanwars, ein von mehreren Künstlern realisiertes Spiel, in dem Avatare die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen des Balkans repräsentieren, die zum friedlichen Zusammenleben angehalten sind. Das Festival, das frühzeitig das Internet als Kunstform reflektierte, zeigt mit Arbeiten wie What you hear is all you get, wie sich das World Wide Web anhört. (Detlef Borchers) / (jk)