Streit um Privilegierung von Telekom-Telefonzellen
Wurden die neuen Wettbewerber im Markt der Karten- und Münztelefone Ende der Neunzigerjahre begrüßt, stehen sie angesichts des ungebrochenen Monopols der Telekom inzwischen vor der Wahl, entweder zu klagen oder alternative Märkte zu suchen.
Der Bonner Anbieter Tele-Ruf klagt in mehreren Städten gegen hohe Sondernutzungsgebühren, Abstandsregeln oder Absagen zur Nutzung attraktiver Standorte für Telefonhäuschen. Wurden die neuen Wettbewerber im Markt der Karten- und Münztelefone Ende der Neunzigerjahre begrüßt, stehen sie angesichts des ungebrochenen Monopols der Deutschen Telekom inzwischen vor der Wahl, entweder zu klagen oder alternative Märkte zu suchen. Ärgerlich aus Sicht von Tele-Ruf: Vielerorts legen Städte die mit dem Platzhirsch Telekom eingegangenen Verträge nicht einmal offen.
"Wir könnten schon weiter sein", sagt Stefan Ummenhofer, Geschäftsführer der Tele-Ruf Nord. "Aktuell gehen wir auf 1000 aufgestellte Münz- und Kartentelefone zu. Ohne die Behinderungen könnten es 5000 sein." Die Zahl des Marktanteils der Wettbewerber ist laut dem Jahresbericht 2006 (PDF-Datei) der Bundesnetzagentur sogar wieder leicht zurückgegangen: Gerade einmal 3,3 Prozent der öffentlichen Münz- und Kartentelefone werden von alternativen Anbietern betrieben. In absoluten Zahlen heißt das: Die Konkurrenz bringt es mit vereinten Kräften auf gerade mal 3600 Telefone (gegenüber 4000 im Jahr 2005), die Deutsche Telekom betreibt über 105.000, rund 1000 mehr als noch vor zwei Jahren.
Bei der Tele-Ruf sieht man vor allem Ankündigungen des Telekomvorstandschefs René Obermann, ins Geschäft mit der Außenwerbung einsteigen zu wollen, als Hinweis auf eine neue Geschäftsstrategie. Attraktive Platzierungen für die öffentlichen Telefone werden damit noch wichtiger. Einzelne Städte, etwa Essen, verweigern den Wettbewerbern der Telekom grundsätzlich die Aufstellung an öffentlichen Plätzen. Ummenhofer hat in Essen unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz die Offenlegung der dortigen Verträge verlangt.
10 Prozent der öffentlichen Verwaltungen, so schätzt der Tele-Ruf-Geschäftsführer, verfahren wie Essen und verweigern den Neueinsteigern jeglichen Standort. Zwei Drittel versuchten, die Telekom-Konkurrenz durch hohe Sondernutzungsgebühren abzuschrecken. In Berlin bezahle die Tele-Ruf beispielsweise 90 Euro für ein Doppelkartentelefon im Monat. Die Telekom kosten die vor 1999 aufgestellten Geräte dagegen gar nichts. Etwa 30 Prozent der Verwaltungen zermürben die Wettbewerber durch restriktive Vergaben und Abstandsregelungen. "Da kommt es vor, dass wir einen 30-Meter-Abstand zum Telekom-Gerät halten müssen, und drei Monate später steht fünf Meter von unserem neu aufgestellten Gerät ein Telekom-Telefon", berichtet Ummenhofer.
Ergebnis der Zermürbungstaktik: In In Hannover meldete ein Tele-Ruf-Franchisenehmer gerade Konkurs an. Er hatte auch gegen die 10 Mal so hohen Sondernutzungsgebühren und den von der Stadt verordneten 50-Meter-Abstand zwischen seinen und den Telekom-Münzfernsprechern geklagt – und verloren. Auch in der Ratsfraktion wurde man aufmerksam. Der Hannoveraner CDU-Fraktionsvorsitzende kritisierte die Behinderung des Wettbewerbs durch die Stadt.
Bei Tele-Ruf will man künftig verstärkt den Klageweg beschreiten, eine Klage gegen die Stadt Würzburg ist in Vorbereitung. Die Mitbewerber dagegen haben andere Konsequenzen gezogen. Spektrum Interactive, das Tochterunternehmen eines britischen Anbieters, setzt in erster Linie auf private Standortgeber wie Verkehrsbetriebe oder Flughafenbetreiber. Von den 1800 Standorten sind nur 30 an öffentlichen Plätzen, sagt Rainer Palm, verantwortlich für Financial Controlling bei Spektrum. "80 Prozent der von uns beantragten öffentlichen Standorte wurden nicht genehmigt", so Palm. Daher habe man Konsequenzen gezogen und Exklusivverträge etwa mit den Berliner Verkehrsbetrieben, der Hamburger Hochbahn oder der Stuttgarter Straßenbahn gemacht. Die DTAG räumte das Feld aber nicht. Laut Palm finden sich inzwischen unmittelbar am Ausgang der U-Bahn-Schächte oder gegenüber der Eingänge zu den Stationen Telekom-Zellen.
Angesichts der Gegenwehr des übermächtigen Monopolisten hat man sich bei der ByTel entschieden, eher wieder Zellen abzubauen. Gerade mal 100 reine Münzfernsprecher hat man aktuell noch. Künftig will man sich verstärkt dem Geschäftsfeld Softwareentwicklung widmen. Denn das Geschäft mit den Münzfernsprechern bringe einfach nichts ein. Zwar hat man es eine Zeit lang auch mit Widersprüchen gegen erhöhte Gebühren versucht und sich auch bei der Regulierungsbehörde beschwert. Die hatte sich aber für nicht zuständig erklärt, und gegen die Kommunen sei juristisch kaum anzukommen. (Monika Ermert) / (jk)