Bericht: Siemens schmierte beim Kraftwerksbau
Ein früherer Manager wirft dem Konzern vor, regelmäßig Bestechungsgelder bezahlt zu haben, um Aufträge für Kraftwerke im Ausland zu erlangen. Hochrangige Siemens-Leute hätten sich als Geldbriefträger betätigt, berichtet der "stern".
Der Siemens-Konzern soll nach Angaben eines ehemaligen Managers des Unternehmens regelmäßig Bestechungsgelder bezahlt haben, um Aufträge für Kraftwerke im Ausland zu erlangen, berichtet das Magazin stern. Demnach hat der ehemalige Siemens-Abteilungsbevollmächtigte Rudolf Vogel im März 2003 in einem Schriftsatz für das Landesarbeitsgericht Nürnberg erklären lassen, ihm seien "nur wenige Kraftwerksprojekte in den Regionen Südeuropa, Lateinamerika, Naher und Mittlerer Osten bekannt", bei denen "nicht die Einschaltung Dritter mit entsprechenden Zahlungen erforderlich gewesen wäre".
Vogel selbst, aber auch andere hochrangige Siemens-Leute hätten sich als "Geldbriefträger" für höhere Beträge "in bar" betätigt, heißt es in einem Schriftsatz, der dem stern vorliegt. Laut stern legte Vogel dem Gericht Formulare über insgesamt 990.000 Dollar vor, die von Siemens in Erlangen im Jahr 2000 auf Konten in Andorra und Florida überwiesen worden sein sollen, angeblich, um einen Kraftwerksauftrag in der Dominikanischen Republik zu erlangen. Dort waren laut einem Vogel-Schriftsatz bis zu 3,91 Millionen US-Dollar als "Schmiergelder für Politiker" vorgesehen.
Vogel war Ende der 80er Jahre Assistent des späteren Siemens-Vorstandschefs Heinrich von Pierer und anschließend für das Kraftwerksgeschäft in Osteuropa und später in Lateinamerika zuständig, berichtet das Magazin. Nachdem der Konzern Vogel im Jahr 2000 wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten gekündigt hatte, akzeptierte Siemens im März 2005 einen Vergleich und zahlte 200.000 Euro Abfindung.
Siemens wies die VorwĂĽrfe auf Anfrage des stern zurĂĽck. Vogel selbst sei es gewesen, der eine Zahlung auf ein "unbekanntes Konto in Andorra" organisiert habe. Das Arbeitsgericht in NĂĽrnberg fand es allerdings "einigermaĂźen seltsam", dass Siemens "keinerlei Nachforschungen" ĂĽber den Verbleib der nach Andorra ĂĽberwiesenen 350.000 Dollar angestellt habe. Siemens stellte auch keine Strafanzeige gegen Vogel. (ssu)