Wachschutz für Androiden

Ein US-Start-up bietet eine App an, die Anwendungen für Android-Smartphones auf Sicherheitsrisiken überprüft und Nutzer beim Laden neuer Apps warnt.

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Von
  • Rachel Metz

Ein US-Start-up bietet eine App an, die Anwendungen für Android-Smartphones auf Sicherheitsrisiken überprüft und Nutzer beim Laden neuer Apps warnt.

Lange ist es her, dass Computerviren ein Problem der PC-Welt waren. Mit dem Siegeszug der Smartphones haben auch die Digitalschädglinge ein neues Ökosystem gefunden. Apps sind zum Einfallstor für Sicherheitsbedrohungen im mobilen Netz geworden. Und selbst wenn sie nicht aktiv Kennwörter und andere vertrauliche Daten an Kriminelle weiterleiten, greifen sie häufig doch mehr Informationen ab, als mit dem Datenschutz vereinbar ist.

Das Start-up TrustGo aus Menlo Park im Silicon Valley will dem Problem etwas entgegensetzen – ähnlich wie Antiviren-Programme es für die PC-Welt seit langem tun. Für das Mobilbetriebssystem Android bietet es nun die kostenlose App TrustGo Antivirus & Mobile Security an. Android hat laut den Marktforschern von Gartner zurzeit einen Marktanteil von 51 Prozent und gilt als unsicherer als das Betriebssystem iOS für Apple-Geräte.

Die TrustGo-Anwendung analysiert alle Apps auf einem Smartphone und gleicht sie mit eventuell schon vorhandenen Sicherheitsprofilen ab. Zusätzlich können Nutzer mit der TrustGo-App auch ein Datenbackup in einem Cloud-Dienst vornehmen, auf sicheres Websurfen wechseln oder versuchen, verloren gegangene Geräte zu orten.

Will ein Nutzer neue Apps laden, zeigt die TrustGo-Anwendung an, ob das Programm als sicher eingestuft worden ist oder ein Risiko birgt. Dieses wird in verschiedenen Stufen bewertet. Wer auf das Symbol der Sicherheitseinstufung tippt, bekommt weitere Informationen über die potenzielle Bedrohung. So wurde zum Beispiel die über Google Play vertriebene App „Burger Restaurant 3“ als hochriskant eingestuft, weil sie ein Werbenetzwerk – zum Einblenden von Anzeigen – nutzt, das laut TrustGo die Telefonnummer ausspäht und an Dritte übermittelt.

Die Firma scannt auch verschiedene Versionen ein und derselben App, die in verschiedenen Online-Läden angeboten werden. Es komme vor, dass Hacker eine App von einem Android Marketplace herunterladen, Schadcode einbauen und anschließend wieder in einem anderen Marketplace einstellen, begründet Becker diese Praxis.

TrustGo ist einer von mehreren Diensten, die der Welle mobiler Schadsoftware begegnen wollen. Im Februar hat Google selbst „Bouncer“ eingeführt. Bouncer überprüft alle Anwendungen, die neu in den Google Play App Store hochgeladen werden. Apple hat diesen Sicherheitscheck von Anfang an praktiziert, konnte aber riskante Apps nicht vollständig verhindern. Weitere Dienste sind Lookout und avast! Mobile Security.

TrustGo hat sich aber auf die Fahnen geschrieben, Apps gründlicher als die anderen zu durchleuchten. Gecheckt wird unter anderem, welche Zugriffsberechtigung für das Betriebssystem eine App verlangt.

Laut Jeff Becker, bei TrustGo fürs Marketing verantwortlich, hat das Start-up bereits 1,5 Millionen Apps gescannt. 17 Prozent der untersuchten Apps habe man als „hochriskant“ eingestuft, sagt Becker. Hochriskant bedeutet, dass eine Anwendung heimlich Operationen wie nicht autorisierte Zahlungen vornehmen kann.

Gartner-Analyst John Pescatore sieht für Android-Smartphones erheblichen Bedarf. „Android fehlt das, was der App Store von Apple leistet“, sagt Pescatore. Hier öffne sich ein ganz neues Marktsegment.

Wie TrustGo mit seiner App Geld verdienen will, ist noch nicht klar. Die Anwendung dürfte wohl noch für eine Weile kostenlos bleiben. Es sei möglich, dass irgendwann ein „Freemium“-Modell komme, sagt Jeff Becker. Die Basisversion bleibt kostenlos, für Funktionen wie Backup oder Handyortung müssten Nutzer dann jedoch zahlen. (nbo)