Reporter ohne Grenzen verleihen 14. Menschenrechtspreis
Ausgezeichnet wurden der chinesische Journalist Zhao Yan, der afghanische Fernsehsender Tolo TV, die "Nationale Union der somalischen Journalisten" und der syrische Internet-Dissident Massoud Hamid.
Die Menschenrechtsorganinsation Reporter ohne Grenzen hat zusammen mit der französischen Stiftung Fondation de France am gestrigen Abend in Paris den 14. Menschenrechtspreis in vier Kategorien vergeben. Ausgezeichnet wurden der chinesische Journalist Zhao Yan, der afghanische Fernsehsender Tolo TV, die "Nationale Union der somalischen Journalisten" sowie der syrische Internet-Dissident Massoud Hamid.
"Das Menschenrecht, frei und unabhängig zu informieren und informiert zu werden, wird weltweit ständig missachtet", sagt Elke Schäfter, Geschäftsführerin von Reporter ohne Grenzen in Deutschland. "Darauf wollen wir mit dem Preis aufmerksam machen. Und wir wollen diejenigen unterstützen, die sich kontinuierlich für die Meinungsfreiheit engagieren und dabei ihre persönliche Freiheit und sogar ihr Leben riskieren."
Als Journalist, der sich besonders für die Pressefreiheit eingesetzt habe, wurde Zhao Yan ausgezeichnet. Yan hatte einem Kollegen der New York Times von Gerüchten über Spannungen zwischen dem alten und dem derzeitigen chinesischen Präsidenten berichtet und damit die Todesstrafe riskiert. Seit dem 17. September 2004 ist der Journalist wegen "Weitergabe von Staatsgeheimnissen" inhaftiert.
Den Preis für ein Medium, das sich besonders durch seine unabhängigen Informationen auszeichne, erhielt der afghanische Fernsehsender Tolo TV, der unter anderem die erste Talkshow für afghanische Frauen ausstrahlt. Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen ist der Sender seit seinem Start im Oktober 2004 zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt. Die religiösen Führer Afghanistans bemühten sich um seine Schließung.
Der Syrer Massoud Hamid wurde für seine Berichte im Internet geehrt. Hamid hatte unter anderem Fotos einer prokurdischen Demonstration ins Netz gestellt. Der 29-jährige Student der Journalistik war am 10. Oktober 2004 zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er habe das erste Jahr hinter Gittern in Isolationshaft verbracht und sei schwer gefoltert worden, schildern die Menschenrechtler.
Den Preis für die Verteidiger der Pressefreiheit bekam die "Nationale Union der somalischen Journalisten" (NUSOJ). Der Verband setzt sich in dem ostafrikanischen Land für unabhängige Medien und Journalisten ein. Er habe zahlreiche Fälle von Angriffen auf die Pressefreiheit öffentlich gemacht, Berichte dazu vorgelegt und internationale Organisationen und Medien alarmiert, hieß es. Zudem habe die NUSOJ eine Studie über die Lage der Medien in dem Land verfasst, das von Warlords beherrscht wird. (pmz)