Harsche Kritik bei der Aktionärsversammlung von Intershop
Der Jenaer Softwareanbieter fĂĽhrt nach unerwartet hohem Verlust im vergangenen Jahr einen Kapitalschnitt durch: Drei Inhaberstammaktien werden zu einer zusammengelegt.
Nach einem unerwartet hohen Verlust im Jahr 2004 wird das Kapital des Jenaer E-Commerce-Software-Anbieters Intershop erneut drastisch herabgesetzt. Trotz harscher Kritik an der Arbeit des Vorstandes gab die Aktionärsversammlung des Unternehmens am Dienstag in Apolda grünes Licht für einen Kapitalschnitt durch Zusammenlegung von drei zu einer Inhaberstammaktie.
Das Grundkapital der Gesellschaft, die auf Programme für den Ein- und Verkauf von Unternehmen im Internet spezialisiert ist, sinkt damit auf rund 8,5 Millionen Euro. Vorstandschef Jürgen Schöttler begründete den Schritt mit Verlusten aus den vergangenen beiden Jahren und einer Sonderabschreibung in den USA. Die Aktie notierte an der Börse mit einem Euro um 3,8 Prozent im Minus.
"Das Leid der Aktionäre nimmt kein Ende -- auch nicht unter dem neuen Vorstand", sagte Stefan Berninger von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Intershop sei eine "Katastrophe für die Anteilseigner». Nach erneut verfehlten Geschäftsprognosen und einem Jahresverlust von 8,8 Millionen Euro hatten er und der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Stefan Arnold, dem Vorstand die Entlastung versagt. Sie konnten sich damit jedoch nicht durchsetzen. Kritik wurde auch an hohen Vorstandsbezügen angesichts eines Jahresumsatzes von nur noch 17,6 Millionen Euro geübt.
Nach Ansicht des Intershop-Vorstand ist die Sanierung des einstigen Vorzeigeunternehmens mit derzeit noch 220 Mitarbeitern vorangekommen. 2004 sei ein Großteil der Altlasten bereinigt worden, sagte Schöttler. Er nannte den Rückzug von der US-Börse Nasdaq, einen Vergleich mit US-Aktionären sowie die erreichte Kostensenkung. Eine Prognose für das laufende Jahr, in dem die Firmenkasse durch 11,3 Millionen Euro aus einer Wandelanleihe aufgebessert wurde, gab er nicht ab. Stärker als bisher will sich Intershop auf Mietsoftware und kostengünstige Komplettangebote auf den Mittelstand konzentrieren. (dpa) / (bbu)