Lockmittel zum Lesen lernen

Der nächste hochdotierte X-Prize könnte eine einfache aber bedeutsame technische Lösung für die Dritte Welt honorieren.

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Man muss nicht immer das Rad neu erfinden, um eine große Wirkung zu erzielen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn all die aussortierten Handys, die eigentlich noch recht gut funktionieren aber technisch eben nicht mehr ganz up-to-date sind, nicht im Elektromüll landen würden? Mit unterhaltsamer Software bestückt könnten sie in der Dritten Welt Kindern beim Lesen-Lernen helfen.

Mit dieser Idee hat Eric Hirshberg, Geschäftsführer des Spieleentwicklers Activision Publishing, nach Angaben des Magazins Popular Mechanics kürzlich den Brainstorming-Wettbewerb der sogenannten „X Prize Foundation“ gewonnen. Der Clou von Hirshbergs Ed-U-Phone: Um die Kinder zum Mitmachen zu animieren, soll die Lese-Software nicht die Hauptfunktion der Geräte sein, was die Kindern unter Umständen nicht lange bei der Stange halten würde. Stattdessen sollen kleine Leseübungen quasi als PIN für die Handys dienen: nur bei erfolgreich bestandenen Mini-Tests würden die Geräte aktiviert.

Die vom umtriebigen Luftfahrt-Ingenieur Peter Diamandis gegründete „X Prize Foundation“ lobt regelmäßig zweistellige Millionenbeträge für die Entwicklung von innovativen Technologien aus – zuletzt zum Beispiel für einen medizinischen Tricorder, also ein diagnostisches Messgerät, das nur handteller-groß sein darf und drahtlos funktionieren soll. Davor sollten Entwickler aus der ganzen Welt bessere Technologien für die Beseitigung von Öllachen auf dem Meer entwickeln oder Fluggeräte für die private Raumfahrt.

Jedes Jahr lädt Diamandis etwa 120 CEOs, Wissenschaftler und Innovatoren zu einer Brainstorming-Session für neue X-Prize-Wettbewerbe ein. Die Idee für die zehn Millionen Dollar schwere Tricorder-Ausschreibung wurde etwa auf einem dieser Treffen geboren. Nun aber hat erstmals eine vergleichsweise einfache technische Idee gewonnen und gerade das finde ich gut.

Wie viele Kinder nach Hirshbergs Idee lesen lernen würden und ihr Leben dadurch zum Besseren verändern könnten? Das muss sich natürlich erst noch zeigen, wenn es einen Gewinner für Lese-Software gibt. Aber mir gefällt die Wettbewerbsidee, weil sie gerade nicht ein Problem der westlichen Welt – oder ein von ihr verursachtes – beheben will. Der Vorschlag besitzt zudem neben der technischen auch eine psychologische Komponente, ohne die der Vorstoß sonst recht schnell scheitern könnte.

Bleibt natĂĽrlich noch die Frage, wie die Handys in der Dritten Welt mit Strom versorgt werden sollen. Aber man sollte meinen, dass sich Sponsoren fĂĽr gĂĽnstige kleine Solarladestationen finden lassen. (vsz)