Überleben im harten Sonnenstromgeschäft
Der US-Solarinstallateur SolarCity schlägt sich in der schrumpfenden Branche erstaunlich gut und will nun an die Börse gehen.
- Kevin Bullis
Der US-Solarinstallateur SolarCity schlägt sich in der schrumpfenden Branche erstaunlich gut und will nun an die Börse gehen.
Eine Pleite nach der anderen erschüttert die Solarszene – in Europa genauso wie in den USA. Grund ist der enorme Preisverfall bei Solarmodulen – günstige Produkte aus Asien machen es zunehmend unwirtschaftlich, in den westlichen Industrieländern zu produzieren.
Das Unternehmen SolarCity aus dem kalifornischen San Mateo scheint sich dem Trend zu widersetzen: Der Solarinstallateur, der erst vor sechs Jahren gegründet wurde, kündigte gerade an, dass man die notwendigen Unterlagen für einen Börsengang bei der Securities and Exchange Commission (SEC) in New York eingereicht habe.
Der Hauptunterschied zwischen SolarCity und vielen anderen Start-ups aus der Clean-Tech-Branche scheint das eher konservative Geschäftsmodell zu sein: Statt nach revolutionärer neuer Technik zu streben, verdient die Firma ihr Geld mit der Nutzung existierender Sonnenstrommodule, hat aber ein neues Finanzierungsmodell dafür geschaffen.
SolarCity entwickelt, installiert und unterhält Solaranlagen auf den Dächern privater und kommerzieller Hausbesitzer, verlangt dafür aber keine große Vorauszahlung, sondern verleast die Anlagen nur. Produziert das System dann Strom, wird überschüssige Energie an die örtlichen Stromversorger zurückverkauft. Die Idee: Der Nutzer braucht weniger Strom vom Versorger, was die Stromrechnung so weit reduziert, dass sich die Leasingkosten typischerweise wieder ausgleichen.
Dank der schnell fallenden Preise für Solarmodule – allein im letzten Jahr gingen die Kosten um bis zu 50 Prozent zurück – scheint dieser Ansatz zum Erfolg zu werden. Die Profite vieler großer Panelhersteller schmolzen zwar zusammen, was zu einer Welle von Bankrotten fühlte – sogar in China. Doch die Installation der Module blieb bislang lukrativ, denn fallende Preise helfen hier sogar der Marge.
Wie gut das Geschäft bei Solarcity ganz konkret in den letzten Monaten läuft, weiß man allerdings erst, wenn die bei der SEC eingereichten Unterlagen öffentlich werden – derzeit sind sie noch unter Verschluss. Eine aktuelle Analyse von GTM Research spricht allerdings dafür, dass SolarCity schnell seinen Marktanteil erhöhen konnte. 2010 soll die Firma sechs Prozent der Heiminstallationen von Solaranlagen in den USA ausgeführt haben, 2011 waren es schon 13 Prozent. "Das ist mehr als das Doppelte dessen, was der nächstgrößte Player erreicht", meint Shayle Kann, Solarexperte bei dem Analysehaus.
Auch andere Energie-Start-ups haben mittlerweile ihre Strategie angepasst und versuchen, mit Firmen zu arbeiten, die konventionelle Technik nutzen. Innovalight wurde kürzlich vom Chemieriesen DuPont gekauft und wollte zuvor eigentlich Solarzellen mit einer neuartigen Siliziumtinte produzieren. Konventionelle Silizium-Module von Billigherstellern aus China machten das aber unwirtschaftlich. Nun soll die Siliziumtinte einfach bei herkömmlichen Modulen genutzt werden, um deren Wirkungsgrad zu erhöhen – DuPont verkauft sie an die Hersteller. Twin Creeks Technologies und 1366 Technologies versuchen unterdessen, neue Methoden zu entwickeln, optimale Siliziumwafer für die Modulfertigung zu produzieren. Auch diese Technik geht dann an die klassischen Hersteller.
Die Logik dahinter: Das meiste Geld in der Solarindustrie kommt längst nicht mehr aus Herstellung und Verkauf von Modulen. Bei kleinen Systemen für den Heimmarkt sind diese nur für 20 Prozent der Gesamtkosten verantwortlich. Teurer kann beispielsweise die Installation der Technik und die Anbindung an das Stromnetz werden. Entsprechend verdienen Firmen wie SolarCity, so zumindest die Theorie, am besten. Modulhersteller wie SunPower oder First Solar versuchen deshalb unter anderem in den USA, nicht nur ihre Sonnenkollektoren zu verkaufen, sondern auch die Installation oder gar den Stromverkauf zu übernehmen.
SolarCity installiert nicht nur Solarmodule, sondern auch Geräte zur Steigerung der Effizienz solcher Anlagen und zum Zwischenspeichern von Strom. Überwacht werden die Systeme zentral mit einem eigenen Software-Management, das Tausende Anlagen gleichzeitig überwachen kann. Außerdem hat sich SolarCity an lokale Gegebenheiten angepasst und will die teilweise völlig unterschiedlichen Genehmigungsvoraussetzungen in einzelnen US-Regionen erfüllen können.
Recht beeindruckend ist auch eine andere Tatsache: SolarCity will die Leistung seiner Solaranlagen garantieren können, damit die Kunden in jedem Fall Geld sparen. Das ist nur durchführbar, weil die Firma ihre Systeme selbst zusammenbaut und Daten darüber vorliegen hat, was ähnliche Installationen leisten. Gleichzeitig müssen die Solaranlagen aber auch immer laufen – treten Fehler auf, wird sofort repariert.
Doch garantiert ist der Erfolg keinesfalls. Zwar konkurriert SolarCity nicht direkt mit den unter Druck stehenden Solarmodulherstellern. Doch Preisdruck kommt von konventionellen Energieversorgern und das Modell funktioniert nur, solange es Subventionen für Solarstrom gibt, die die Kostenbasis insgesamt drücken. Da diese Anreize nicht in allen 50 Bundesstaaten der USA verfügbar sind, muss SolarCity in einigen Regionen draußen bleiben.
Und wo es Subventionen gibt, können diese schrumpfen: Was man aus Deutschland bereits kennt, wird in einigen US-Bundesstaaten wie etwa Kalifornien gerade ebenfalls angedacht oder bereits umgesetzt. Entsprechend stehen die langfristigen Chancen für SolarCity nur dann gut, wenn es gelingt, die Kosten weiter zu senken, bis Subventionen gar nicht mehr nötig sind. (bsc)