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VDE: Deutschland ist bei IT-Ingenieuren GĂĽnstiglohnland

"Bei Ingenieursgehältern kann Deutschland im internationalen Vergleich durchaus mithalten – die Gehälter sind gemessen an denen der für diese Branche wichtigen Standorte US-Ostküste oder Japan eher niedrig", sagte VDE-Präsident Josef Nossek.

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  • dpa

Deutschland ist für Unternehmen der Informationstechnik- und Kommunikationsbranche in manchen Bereichen ein Günstiglohnland, meint man beim Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE). "Bei Ingenieursgehältern kann Deutschland im internationalen Vergleich durchaus mithalten – die Gehälter sind gemessen an denen der für diese Branche wichtigen Standorte US-Ostküste oder Japan eher niedrig", sagte VDE-Präsident Josef Nossek der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX auf der CeBIT.

"In der Massenproduktion ist Deutschland im Allgemeinen zwar kein günstiger Standort, aber auch hier gibt es Ausnahmen", sagte Nossek. Als Beispiel nannte er die Mikroelektronik, die sich vor allem im so genannten sächsischen "Silicon Saxony" um Dresden herum angesiedelt hat. Unter anderem haben sich dort der weltweit zweitgrößte Mikroprozessoren-Hersteller AMD und der Münchner Halbleiter-Hersteller Infineon beziehungsweise seine Speicherchip-Tochter Qimonda angesiedelt.

"Die global agierenden Unternehmen im Informationstechnik- und Kommunikationsbereich errichten Werke in wichtigen Märkten wie Asien, Forschungs- und Entwicklungszentren aber oft dort, wo Wissen sitzt und es sich gut leben lässt, beispielsweise in Deutschland", sagte Nossek. So habe der japanische Telekomkonzern NTT in München ein Forschungs- und Entwicklungslabor eingerichtet. Und der US- Computerkonzern IBM unterhalte in Böblingen sein größtes Forschungslabor außerhalb der Vereinigten Staaten.

Deutschland könne im Ingenieursbereich mit einer Ausbildung auf hohem Niveau auftrumpfen, sagte der Präsident des VDE. Das Netzwerk in der Branche sei ebenfalls gut und biete viele Möglichkeiten, Wissen auszutauschen. Nossek lobte auch die Weiterbildung von Ingenieuren. Außerdem könne Deutschland verglichen mit der US-Ostküste oder Japan nicht nur mit günstigen Gehältern aufwarten, sondern auch mit einer stärkeren Praxisorientierung.

Schon im Studium würden künftige Ingenieure zu mehr Selbstständigkeit angeleitet. "Doktoranden arbeiten an Industrieprojekten und sammeln damit praktische Erfahrungen in Unternehmen", sagte der Experte. In Deutschland unterscheide sich auch das universitäre Umfeld von anderen Ländern. "Professoren haben hier überwiegend nennenswerte Industrieerfahrung und hatten Führungsverantwortung – das ist fast ein Muss", sagte Nossek. Er selbst habe 15 Jahre in der Industrie gearbeitet und lehre nun an der Technischen Universität München. Anders als die landläufige Meinung über Universitäten fristeten die Ingenieurshochschulen daher kein Dasein als Elfenbeintürme oder Wolkenkuckucksheime.

Allerdings habe die Zahl der Ingenieurs-Studienanfänger im Bereich Elektro- und Informationstechnik in den vergangenen Jahren um im Schnitt 3 bis 5 Prozent abgenommen, sagte der VDE-Präsident. Zudem kommen viele Ausländer nach Deutschland, um Ingenieurswissenschaften zu studieren. Mancherorts machten sie 40 Prozent der Studienanfänger aus. Jährlich verlassen nach VDE-Angaben knapp 10.000 Absolventen der Elektro- und Informationstechnik die Hochschulen. Die konservative Ingenieurs-Bedarfsschätzung liege allerdings bei 14.000 Absolventen pro Jahr. Derzeit arbeiten nach VDE-Angaben etwa 190.000 Elektro- und Informationstechnik-Ingenieure in Deutschland. (dpa) / (jk)