Kein Tablet und kein Ultrabook

Hewlett-Packard stellt in Shanghai eine Armada von "Ultrabooks" vor, mit denen der Konzern Apple Paroli bieten will. Aber diese Entwicklung lässt mich genauso kalt wie die bisherigen Tablets. Ich warte auf mein Traumprodukt.

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Von
  • Martin Kölling

Hewlett-Packard stellt in Shanghai eine Armada von "Ultrabooks" vor, mit denen der Konzern Apple Paroli bieten will. Aber diese Entwicklung lässt mich genauso kalt wie die bisherigen Tablets. Ich warte auf mein Traumprodukt.

Hewlett-Packard (HP) hatte groß eingeladen. Mehr als 700 Journalisten aus aller Welt präsentierte der PC-Riese in Shanghai eine Armada dünner und relativ leichter Notebooks, mit denen man gegen Apple und andere Konkurrenten in den Kampf ziehen will. Ultrabooks nennen sich die Teile, wenn sie mit einem Intel-Prozessor ausgestattet sind. Denn der Chip-Riese hat sich diesen Namen für Notebooks schützen lassen, die bestimmte Kriterien bei Dicke, Gewicht und Batterielaufzeit erfüllen. Sleekbooks nennt HP dagegen preiswertere Varianten mit Chips von AMD.

Unabhängig vom Namen sollen die Geräte zum neuen Hype werden. Und ich denke mir wie schon beim Boom um die Smartphones wieder: So what! Habe ich in Japan doch schon seit zehn Jahren gehabt, nur eben nicht mit solch einem schicken Namen. Wir in Japan surften schon mit smarten Handys durch die Weiten des Netzes, als der Westen noch auf grün-weißen Bildschirmen die dürren WAP-Wiesen abgraste. Und ich habe seit zehn Jahren Notebooks, die nur 1,2 Kilogramm wiegen, fast einen ganzen Arbeitstag mit einer Akku-Ladung durchhalten, stoßfest sind und in der neuen Version sogar noch arbeiten, wenn sich der Inhalt einer Tasse Kaffee über die Tastatur ergießt. Nur nennt Panasonic sie in Japan "Let's note" und in Übersee "Toughbook" – und bietet sie zu einem Preis um 2000 Euro an. Nicht gerade ein Schnäppchen.

Aber das Neue ist ja, dass die Geräte billiger werden. Und HP führt mit seiner Marktmacht, seinem fetten Entwicklungsbudget und seinem großen Marktanteil im Geschäft mit Unternehmenskunden die Anti-Apple-Bewegung an. Die neuen Produkte auf der Messe sind dann auch ganz nett. Im Endkundengeschäft setzt HP auf High-End-Varianten mit zwei Lautsprechern und einem Subwoofer. Die Hoffnung: Die Audio-Qualität soll Käufer dazu veranlassen, ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen. Schließlich ist es nett, unterwegs oder daheim hochauflösende Spielfilme auch mit gutem Ton mit den Geräten zu konsumieren. Und die neuen Business-Notebooks haben nette Sicherheitsfeatures und erfüllen wie mein Toughbook die Ansprüche des US-Militärs für leicht abgehärtete Hardware. Nett sind auch die 14-Zoll-Plus-Geräte. Die sind zwar nicht mehr sonderlich portabel. Aber für Ingenieure oder Foto- wie Videografen im Feldeinsatz sind sie ihr Geld wert.

Für den Massenmarkt sind Ultra- und Sleekbooks allerdings noch zu teuer, um mit Tablets konkurrieren zu können. Doch wenn die Preise der neuen "Dünnen" erst auf rund 500 Euro abgerutscht sind, wird es spannend, ob die Offensive von Apples iPads noch weiter gehen wird. Denn viele iPad-Nutzer wollen mehr als ein Tablet. Das ist schon daran abzulesen, dass sie sich eine externe Tastatur und eine Hülle zulegen, um produktiver zu sein. Nur ist dann plötzlich ein iPad fast so schwer wie mein Notebook.

Doch mein 1,3 Kilogramm schweres Gerät, das 500 GB Festplattenspeicher, diverse USB-, HDMI-, VGA-Ports und SD- wie PC-Karteneinschübe hat, kann sogar das MacBook Air in Sachen Anschlussvielfalt schlagen. Ich persönlich habe mir daher den Wunsch verwehrt, ein Tablet zu kaufen. In der jetzigen Form macht es als Arbeitsinstrument für mich schlicht keinen Sinn. Es ist halt ein Produkt, das man haben will, aber nicht braucht.

Aber wahrscheinlich ist die Frage, welches Gerät das Rennen gewinnen wird, ohnehin fehlgeleitet. Wir treten in das Multi-Screen-Zeitalter ein, in dem die Menschen vom Handy bis zum TV je nach Lebenssituation mehrere Display gleichzeitig besitzen werden. Richtig abheben wird diese Entwicklung, wenn in ein paar Jahren Cloud-basierte Dienste ausgereift sind. Denn dann können die Schnittstellen zum Internet zu Spottpreisen angeboten werden, weil sie nicht mehr so kräftige Chips und so großen Speicherplatz benötigen. HP hat beispielsweise einen mit dem Internet verbundenen Bildschirm mit SD-Karteneinschub und USB-Anschluss gezeigt, der nur rund 120 Euro kostet.

Ich persönlich warte allerdings auf mein Traum-Tablet: ein ungefähr DIN-A5-großes (oder leicht kleineres) Gerät aus einem faltbaren OLED-Display. Das könnte man einfacher in der Tasche mit sich führen, L-förmig aufgeklappt als Mini-Schreibmaschine nutzen. Und gleichzeitig würde es das alte Buchgefühl wieder erwecken. Der Leseakt wird mit einem Zusammenklappen beendet. Als i-Tüpfelchen wünschte ich mir einen Touchscreen, der so schnell reagiert, dass er sich auch als Notizbuch verwenden lässt. Dann würde ich endlich meinen Zettelwust ausdünnen können. Ich hoffe nicht, dass dieses Gerät allzu lange auf sich warten lässt. Gerüchten zufolge ist Samsung dabei, ein Smartphone aus einem faltbaren OLED-Display zur Marktreife zu entwickeln. (bsc)