Energieversorger vor großen Investitionen und Versorgungsengpässen

Die Trennung des Betreibens von Energienetzen vom Restgeschäft, wie der Energieerzeugung oder -versorgung, stellt nach der aktuellen Studie die größte Herausforderung für die Energiewirtschaft in den kommenden Jahren dar.

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Von
  • Bernd Butscheit

Die Energiebranche sieht im neuen Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) die größten Herausforderungen für ihre Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Branchenkompass Energieversorger 2005" (PDF-Datei) der Mummert Consulting AG und des F.A.Z.-Instituts. Die einhundert hierfür vom Forsa-Institut befragten Führungskräfte der Branche repräsentieren nach Angaben der Herausgeber die wichtigsten Gruppen der deutschen Energieversorger.

Das EnWG verlangt von den Energieunternehmen, den Betrieb ihrer Energienetze vom Restgeschäft wie das der Energieerzeugung oder -versorgung zu trennen. Unternehmen ohne eigenes Netz sollen so vor überhöhten Gebühren ihrer Konkurrenten für die Durchleitung von Energie geschützt und der Wettbewerb so gefördert werden. Für die Umsetzung der Vorschriften müssen sich, so die Studie, die Energieversorger in den nächsten drei Jahren neu aufstellen. Veränderungen stehen demnach vor allem in der Vertriebsorganisation und bei der Abrechnung an, was nennenswerte Investitionen in Reorganisation und IT bedeute.

Die Wachstumschancen im Kerngeschäft werden allerdings als begrenzt betrachtet. Daher überraschen zwei weitere Kernergebnisse der Studie nicht: Die Branche sucht neue Geschäftsfelder im Dienstleistungsbereich und möchte durch Standardisierung und Automatisierung die Kosten senken. Kundenbindung und Kundenwertentwicklung seien weitere Topthemen der kommenden Jahre.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist die Besorgnis der Manager über die Zuverlässigkeit der künftigen Stromversorgung: 77 Prozent der Befragten sehen die gewohnte Versorgungssicherheit schon bis zum Jahr 2007 in Frage gestellt. Die Sorgen sind in den vergangenen drei Jahren gewachsen: Im Branchenkompass des Jahres 2002 erwarteten erst 64 Prozent der Unternehmen Einschränkungen bei der Versorgungssicherheit. Die Studie betont jedoch auch, dass die Versorgungssicherheit mit Stromausfällen von im Schnitt 15 Minuten jährlich in Deutschland ausgesprochen hoch ist. Zum Vergleich nennt die Studie England und Frankreich mit einem Ausfall von einer Stunde im Jahr, in Italien und Norwegen liege der Wert sogar bei drei Stunden.

Die Sorgen der Branchenmanager passen zu den Ergebnissen einer Studie des VDE. Demnach sieht der Verband ebenfalls eine Gefahr für die Zuverlässigkeit des deutschen Stromnetzes. Er begründet seine Befürchtung mit dem Hinweis auf alternative Energien wie Windenergie, die den Energiemix verändern und zusätzliche Leitungen benötigten, und mit neuen Netzstrukturen, die aus dem neuen liberalen Strommarkt resultieren. Sie stellen laut VDE neue Herausforderungen an das Stromnetz und verlangen daher Investitionen in Milliardenhöhe. (bbu)