Vermeintliches Nero-7-Schnäppchen: Geld zurück statt Seriennummer

Anfang Dezember hatte Pearl seinen Kunden ein limitiertes Sonderangebot angeboten: Nero 6.6 inklusive Gratis-Upgrade auf die aktuelle Version 7 für 30 Euro. Das Upgrade wird es nun doch nicht geben; die Kunden erhalten ihr Geld zurück.

vorlesen Druckansicht 340 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Gerald Himmelein

Am 2. Dezember erhielten Pearl-Kunden eine "Hot-Price-Mail" mit einem besonders attraktiven Angebot: die Retail-Version von Nero 6.6 inklusive kostenlosem Upgrade-Angebot auf die aktuelle Version Nero 7 für 30 Euro. "Am kommenden Montag rollt der NERO-LKW an – nutzen Sie jetzt Ihre einmalige Chance!"

Die Offerte war auf 3847 Exemplare beschränkt; diese habe die Nero AG zur "Lagerräumung" loswerden wollen. Die Werbe-Mail von Pearl versprach: "Die brandneue Version 7 können Sie sich nach Registrierung und Rechnungsnachweis von der Nero-Homepage downloaden." Wer zuschlug, bekam am 6. Dezember wie erwartet eine Retail-Verpackung mit Nero 6.6 geliefert. Die Eingabe der Seriennummer auf der Nero-Website führte aber nur zu einer Fehlermeldung: Das Angebot zum Gratis-Upgrade auf Nero 7 sei am 30. November abgelaufen.

Empörte Anrufer erhielten vom Pearl-Service unterschiedliche Antworten. Zunächst hieß es, es liege ein Missverständnis vor, man möge sich an den Support von Nero wenden. Später wurde Kunden eine Rückerstattung des Kaufpreises angeboten, sofern die Verpackung noch nicht geöffnet war. Am Freitag nachmittag versprach die Pressestelle von Pearl gegenüber heise online, man werde die Angelegenheit intern klären. Auf die Rückfrage, ob die Kunden die versprochenen Updates von Pearl direkt erhalten werden, kam von der Pressestelle kein Widerspruch.

Mittlerweile sieht die Lage wieder anders aus. Jetzt bietet Pearl allen betroffenen Kunden die kostenlose Rücksendung der Software, auch wenn sie schon geöffnet und registriert ist. Dazu mögen die Anwender den Pearl-Service kontaktieren und dort einen kostenlosen Retourenschein anfordern. Mit diesem können die Kunden das Produkt kostenfrei zurücksenden. Pearl erstattet dann den Kaufbetrag, das vorweihnachtliche Schnäppchen fällt freilich aus.

Ronny Jahn von der Verbraucherzentrale Berlin erklärt jedoch: "Grundsätzlich haben betroffene Kunden einen Schadensersatzanspruch in Höhe der Kosten für ein reguläres Update." Ein Upgrade von Nero 6 oder einer älteren Version auf Nero 7 kostet derzeit 39 Euro. Tatsächlich hatte der Pearl-Kundendienst am Montag vormittag einzelnen Betroffenen telefonisch angeboten, das Upgrade bei Nero direkt zu erwerben. Pearl erstatte den Betrag dann gegen Vorlage der Rechnung. Von einem solchen Angebot will Pearl Agency jetzt jedoch nichts mehr wissen.

Für Kunden dürfte es sich nicht lohnen, auf Erfüllung des Kaufvertrags zu klagen. Im ungünstigsten Fall warten die Betroffenen monatelang auf einen Gerichtsentscheid, der nicht unbedingt zu ihren Gunsten ausfallen muss. In einer Stellungnahme betont Pearl, dass das Unternehmen unverschuldet in die missliche Situation hineingerasselt sei: "Die unvorhersehbare Verweigerung der Fa. Nero, die Upgrade-Möglichkeit zur Verfügung zu stellen, führt nunmehr dazu, daß Pearl den Kunden keine Upgrade-Möglichkeit einräumen kann." Eine Haftung für unverschuldete Situationen schließen die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Pearl ausdrücklich aus. (ghi)