Epcos bringt Verkauf des Tantal-Geschäfts unter Dach und Fach [Update]
Die Fertigung von Kondensatoren in Heidenheim soll nach der Übernahme des Tantal-Kondensatoren-Geschäfts durch den US-Hersteller Kemet geschlossen werden.
Die seit längerem laufenden Verhandlungen über den Verkauf des Epcos-Geschäfts mit Tantal-Kondensatoren sind zu einem Abschluss gekommen: Der Bauelemente-Hersteller Epcos verkauft die Sparte an den US-amerikanischen Kondensatoren-Produzenten Kemet. Der Verkaufspreis liegt bei 86,5 Millionen Euro, 78,5 Millionen Euro werden beim tatsächlichen Übergang des Geschäfts an Kemet fällig. Dies soll, wenn die Kartellwächter dem Verkauf zugestimmt haben, im Frühjahr 2006 erfolgen. Epcos erwartet, dass der Verkauf letztlich 70 Millionen Euro an liquiden Mitteln in die Kassen spült.
Mit dem Verkauf an Kemet verbunden ist die Übenahme des Epcos-Werks in Evora (Portugal) sowie Teile des Epcos-Standorts in Heidenheim, wo nach Angaben der Firma herkömmliche Tantal-Manganoxid- sowie Tantal-Polymer-Kondensatoren hergestellt werden. Kemet will den Standort in Portugal weiterführen, die Fertigung in Heidenheim aber schließen. Kemet will Mitarbeiter aus der Entwicklung, dem Produkt-Marketing sowie aus dem Vertrieb von Tantal-Kondensatoren übernehmen. Epcos soll bis in die zweite Jahreshälfte 2006 noch in Heidenheim Tantal-Kondensatoren fertigen und an Kemet liefern, um die Belieferung der Kunden mit diesen Produkten trotz der Geschäftsübernahme sicherzustellen.
Die Logik des Verkaufs ergibt sich für Epcos aus den Verlusten, die der Bereich in den vergangenen Jahren eingebracht hat: "Das Geschäft mit Standardprodukten wie den Tantal-Kondensatoren ist seit Jahren von Überkapazitäten und einem hohen Druck auf die Preise geprägt. Bei diesen Kondensatoren musste Epcos seit mehreren Jahren Verluste hinnehmen", erklärte der Spezialist für passive Bauelemente zu dem Verkauf an Kemet. Durch den Verkauf habe man die größte Verlustquelle im Unternehmen beseitigt.
[Update]:
"Wir bemühen uns um möglichst sozialverträgliche Lösungen»", sagte ein Epcos-Sprecher gegenüber dpa zu der Werkschließung in Heidenheinm. Betriebsbedingte Kündigungen sind aber wahrscheinlich.
Der Heidenheimer IG-Metall-Bevollmächtigte Andreas Strobel sagte der dpa, diese Entscheidung sei zu erwarten gewesen. Gewerkschaft und Betriebsrat seien seit Monaten in Gesprächen mit der Geschäftsleitung. "Hier herrscht keine Untergangsstimmung, die Beschäftigten halten zusammen und wollen kämpfen", sagte Strobel. Ziel der Arbeitnehmervertreter sei es, Epcos zu überzeugen, dass die Fertigung einer anderen Produktgruppe nach Heidenheim übertragen werde. "Wir wollen Ersatzarbeitsplätze nach Heidenheim holen", sagte Strobel. Insgesamt will Epcos in Heidenheim 300 von 600 Stellen streichen. Mit solch einem Stellenabbau aber wäre nach Ansicht der IG Metall der gesamte Standort in Gefahr. (jk)