Funkausstellung startet mit großen Erwartungen
Nach starken Absatzzahlen im ersten Halbjahr wird an den sechs Messetagen in den Hallen unter dem Funkturm auf volle Auftragsbücher gesetzt.
Mit großen Erwartungen der Industrie beginnt an diesem Freitag die 46. Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin. Nach starken Absatzzahlen im ersten Halbjahr wird an den sechs Messetagen in den Hallen unter dem Funkturm auf volle Auftragsbücher gesetzt. Bei der IFA im vergangenen Jahr wurde für insgesamt 2,5 Milliarden Euro geordert.
Umsatzbringer Nummer eins sollen flache Fernsehgeräte sein. "Flache Bildschirmtechnologie entwickelt sich zum marktbestimmenden Faktor", beschrieb Philips-Deutschlandchef Hans-Joachim Kamp kurz vor IFA-Beginn die Richtung. In Europa habe die Branche knapp 52 Prozent des Umsatzes im ersten Halbjahr mit diesen neuen TV-Geräten erzielt.
Positiv für die Industrie: Kunden greifen tiefer in die Tasche. "Der Konsument ist bereit, für die neue Technologie mehr Geld auszugeben", betonte der Aufsichtsratschef des Branchenverbands gfu, Rainer Hecker. Denn flache Fernseher sind teurer als alte Röhrengeräte. "Und die Konsumenten kaufen grundsätzlich größere Geräte", sagte Hecker, der auch Chef des Fernseher-Herstellers Loewe ist. "Früher waren 72 Zentimeter Bilddiagonale Standardmaß für die Wohnzimmergeräte, heute beginnt es bei den Flachgeräten mit 80 Zentimetern."
Flache Displays könnten überall aufgestellt oder an der Wand aufgehängt werden. "Dies führt auch dazu, dass Konsumenten zusätzliche Geräte kaufen oder alte Geräte früher als eigentlich vorgesehen ersetzen", sagte Hecker.
Die Branche sieht sich auch in ihrer Einschätzung bestätigt, dass mit innovativen Produkten der Markt trotz allgemeiner Konsumschwäche belebt werden könne. Während im Jahr 2000 noch 51 Prozent des Umsatzes mit TV-Geräten erzielt worden seien, die weniger als ein Jahr im Markt waren, seien es im vergangenen Jahr bereits 77 Prozent gewesen. Die Branche sieht insgesamt noch viel Potenzial für Flachgeräte, denn erst knapp zehn Prozent des weltweiten TV-Bestandes seien in der neuen LCD- oder Plasma-Technologie verwirklicht. Ein weiteres Geschäft verspreche zudem die mobile Fernsehwelt.
Unsichere Komponente für die Branche ist allerdings der Preis. Bei den Geräten mit 26 bis 32 Zoll hätten sich laut Industrie die Preise stabilisiert. Bei den größeren Formaten könne es immer noch Preisabschläge in zweistelliger Höhe geben.
Die Deutsche Telekom stellte vor IFA-Beginn in Berlin ein neues Preis- und Tarifkonzept vor, mit dem sie auf den harten Wettbewerb in Deutschland reagiert. Kern der Strategie sind Bündelangebote von Handy-Telefonie, Festnetz, Internet sowie Unterhaltungsinhalten. Die Preise sollen dafür um bis zu 30 Prozent sinken, kündigte Vorstandschef Kai-Uwe Ricke an. Ein wichtiger Baustein ist das neue Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL, mit dem die Grundlage für Fernsehen über das Internet gelegt werden soll. Die Preisspanne für die Tarife liegt bei 81 bis 91 Euro.
Auf der IFA gehen in diesem Jahr als mögliche DVD-Nachfolger zwei optische HD-Medien nun auch in Europa an den Start – die HD-DVD und die Blu-ray-Disc. Sie bieten deutlich mehr Speicherplatz als die DVD, dadurch können auf ihnen Filme in besserer Qualität gespeichert werden. Nach Einschätzung der Branche wird es noch Jahre dauern, bis sich die neuen HD-Formate gegen die DVD durchsetzen. Solange wird auch der Absatz der DVD-Recorder mit Festplatte weiter steigen, von denen wieder etliche auf der IFA vorgestellt werden.
Von der hohen Auflösung sollen nun auch Hobby-Filmer profitieren. Kompakte HD-Camcorder für den Privatgebrauch sind inzwischen marktfähig. Auch bei der digitalen Fotografie geht der Trend in Richtung höhere Bildqualität. Vorgestellt werden bessere optische Systeme mit aufwändigen Bildstabilisatoren.
Einen neuen Anlauf macht die Industrie, das vernetzte Heim dem Verbraucher näher zu bringen. Auf der IFA sind zahlreiche Geräte zu sehen, die Filme, Musik oder Fotos im gesamten Haus zugänglich machen sollen. Obwohl sich die Vernetzung verschiedener Geräte mit der fortschreitenden Digitalisierung anbietet, konnten sich Multimedia- PCs und Heim-Netzwerke bisher nicht beim Kunden durchsetzen. (dpa) / (anw)