Russland plant Aufbau erster UMTS-Netze
Nach Angaben von Telekommunikationsminister Leonid Reiman sollen im Herbst in mehreren russischen Großstädten erste UMTS-Netze in Betrieb gehen. Bewerber müssen auf die Zuteilung einer Lizenz hoffen.
Russland will im Herbst erste UMTS-Netze in mehreren Großstädten in Betrieb nehmen. Derzeit laufe die Ausschreibung, sagte der russische Telekommunikationsminister Leonid Reiman der dpa auf der Computermesse CeBIT in Hannover. Prognosen für die Zahl der Nutzer machte er nicht. Das Beispiel Westeuropas zeige, dass die Akzeptanz der UMTS-Dienste nur langsam wachse. "Ich denke aber, dass Russland in dieser Hinsicht eine Ausnahme sein wird. Die Russen mögen IT und geben gern Geld für attraktive Angebote aus." Unter den Bewerbern für die Lizenzen seien sowohl die führenden russischen Mobilfunkbetreiber als auch wenig bekannte Unternehmen.
"Bei uns wird es keine Versteigerung wie seinerzeit in Deutschland geben", betonte Reiman. Eine Kommission werde die Gewinner aussuchen. "Die Kriterien sind hauptsächlich die Zeit des Netzaufbaus, das Investitionsvolumen, die Entwicklung der Kundenzahl in den kommenden Jahren." Ein Grund für die Absage an eine Auktion sei, dass der russische Markt weniger vermögende Kunden habe als der europäische. Daher sei es problematisch, von den Netzbetreibern Geld für die Lizenzen zu verlangen, weil sie es sich letztlich bei den Kunden wiederholen würden.
Russland gehört zu den Ländern mit den größten Wachstumsraten im Mobiltelefonbereich. Nach Zahlen des Ministeriums für Informationstechnologie und Kommunikation der Russischen Föderation gibt es im flächenmäßig größten Staat der Erde rund 154 Millionen Handynutzer. Marktführer mit 51,2 Millionen Kunden ist Mobile Telesystems (MTS), ein Tochterunternehmen des Mischkonzerns AFK Sistema, der sich wiederholt als Interessent für einen Einstieg bei der Deutschen Telekom ins Gespräch gebracht hatte. Der Bonner Telekommunikationskonzern war über T-Mobile bis Ende 2005 selbst an MTS beteiligt, hatte seine Anteile aber in mehreren Schritten für insgesamt rund 3 Milliarden Euro verkauft. (pmz)