Mobile Musik- und Videoplayer
Die Hersteller präsentieren in Berlin ihre neuesten Kreationen für mobile Unterhaltung: Der MP3-Player ist tot, es lebe der MP3-Player.
Langsam, aber sicher fusionieren Handy und MP3-Player. Allerdings haben die klassischen Musik-Portis ihre Daseinsberechtigung längst nicht verloren. Das gilt besonders, wenn der Nutzer hohe Ansprüche an Speicherkapazität und Klangqualität stellt. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin ist dabei eines nicht zu übersehen: Fast alle Hersteller mobiler Musik- und Videoabspielgeräte jagen mit ihren Neuheiten in Sachen Design den Branchenprimus Apple. Käufer profitieren derweil von günstigeren Preisen und Innovationen – auch beim Zubehör.
Samsung zeigt einen neuen MP3-Player mit Bluetooth, der seinen Besitzer in Verbindung mit einem gleichfalls funkenden Stereo-Headset von der Verkabelung befreit. Der Yepp YP-TP9 ist kaum mehr als einen Zentimeter dick und wiegt weniger als 50 Gramm. Der 4 Gigabyte große Flash-Speicher lässt sich nicht nur mit MP3-, WMA- und OGG-Musikdateien belegen, sondern auch mit MPEG4-Videos für das 208 × 176 Pixel große Farbdisplay. Bedient wird hauptsächlich mit dem Daumen über Cursor-Tasten. Für Radio-Fans hat Samsung den wahlweise weißen oder schwarzen YP-F2R mit RDS-Tuner im Programm, der Sendernamen und Musiktitel anzeigt.
Zum UKW-Sender "hochgezüchtet" hat Maxfield seinen neuen G-Flash NG. So kann der MP3-Player im klassischen Stick-Design seine Musik über eine kurze Distanz etwa ans Autoradio schicken. FM-Transmitter – allerdings ohne Musikspieler – zeigen auf der Messe auch dnt mit dem MusicFly und Trekstor mit dem f.ox. Die Sender in der Größe eines USB-Sticks werden per Klinkenstecker an eine beliebige Audioquelle angeschlossen, Strom beziehen sie über die 12-Volt-Steckdose im Auto oder eine Batterie. Per Bluetooth einen MP3-Player oder ein Handy mit Musikanlagen verbinden kann dagegen der Empfänger RX2 von Hama.
Mit dem schwarzen Flash-MP3-Player Hypermedia Pico lehnt sich Yakumo nicht nur optisch deutlich an Apples iPod Nano an. Auch die Maße von 9 Zentimetern Höhe, 4 Zentimetern Breite und 0,7 Zentimetern Tiefe stimmen fast bis auf den Millimeter überein. Doch neben dem fehlenden Scroll-Rad macht auch der Preis den Unterschied: Während der Pico mit 1 GByte Speicher 100 Euro und mit 2 GByte Speicher 130 Euro kosten soll, schlägt der iPod Nano in den gleichen Größen mit 150 beziehungsweise 200 Euro zu Buche.
Mehr als 4 GByte Flash-Speicher bietet Apple momentan für den iPod Nano nicht an. Auch Philips oder Creative sind mit ihren Farbdisplay- Spielern der 50-Gramm-Klasse (GoGear SA9400 beziehungsweise Zen V Plus) noch nicht über 4 GByte Flash-Kapazität hinausgelangt. Dagegen setzt der Speicherkartenhersteller SanDisk auf der IFA mit 8 GByte Flash-Speicher im Sansa e280 eine neue Rekordmarke. Per SD-Karte lässt sich der rund 200 Euro teure Player sogar auf bis zu 10 GByte aufrüsten.
Ein vergleichsweise eigenständiges und eigenwilliges Design hat Trekstor seinem neuesten MP3-Spieler Vibez verpasst. Der ovale Player mit zwei Kreiselementen für Displayeinfassung und Bedienrad würde sicherlich auch dem Designer Luigi Colani gefallen. Die Edelstahl-Rückseite erinnert indes an ein Brillenetui. Die beiden zur Auswahl stehenden Speicherkapazitäten von 8 GByte (200 Euro) und 15 GByte (230) realisiert Trekstor mit kleinen Festplatten. Ein Bedienknopf kann frei belegt werden, und der Akku ist austauschbar. Mit 10,5 Zentimetern Höhe, 5 Zentimetern Breite und 1,8 Zentimetern Tiefe bleibt der Vibez kompakt. An Formaten werden neben MP3, WMA und WAV auch OGG und der verlustfreie Codec FLAC unterstützt.
Medienplayer, die neben Musik auch Videos ausgeben, fehlen auf der IFA 2006 ebenfalls nicht. So präsentiert Maxfield einen Format-Multi namens MAX-PMP20 mit 20-GByte-Festplatte, der MPEG4-, ASF-, AVI-, WMV-, DivX- und XviD-Videos auf dem 4,3-Zoll-Display abspielt. Trotz der nur 260 Gramm Gewicht schlummert auch Bluetooth im 13 mal 7,9 mal 2 Zentimeter großen Gerät, das rund 300 Euro kosten soll.
Archos hat für 380 Euro den 13 cm × 7,8 cm × 1,6  cm großen Medienplayer 604 neu im Programm. Er wiegt 250 Gramm und hat eine 30 GByte große Festplatte. Als Archos 604 WiFi mit WLAN und Touchscreen ermöglicht das Gerät zusätzlich das Surfen, E-Mailen und den direkten Austausch von Daten über das Netzwerk. Es kostet dann 450 Euro. Wer seine ganze Filmbibliothek bei sich haben will, wird vielleicht mit dem Archos 504 glücklich, der für 600 Euro 160 GByte Speicher bietet.
Philips will zunächst in den USA ein Portable Media Center (PMC) auf den Markt bringen. Der AV-Player mit Windows-Mobile-Betriebssytem dient als portable Ergänzung von Microsofts Media Center Edition und übernimmt am PC erstellte TV-Aufzeichnungen oder gibt DRM-geschützte Filme aus Video-on-Demand-Portalen wieder. Wie die bisher erhältlichen PMCs anderer Hersteller ist auch der Philips' Porti nur mit einem 4:3-Display ausgestattet. Creative präsentiert mit dem Zen Vision W eine 16:9-Verion seines AV-Portis Zen Vision. Der Player soll wahlweise in einer Versio mit 30- oder 60-GByte-Festplatte erhältlich sein. Über einen CF-Schacht lassen sich auf Wunsch auch Digitalfotos einer Digicam auslesen und sichern.
Extra für Kinder hat der Hersteller Maxfield Toys den Bandy mit zur IFA gebracht: Der knapp 30 Zentimeter große, 500 Gramm schwere und rund 70 Euro teure blaue Plüschbär ist ein waschechter MP3-Player. Ohne zu Murren spielt er jede SD- oder MMC-Speicherkarte ab, die man ihm in den dafür vorgesehenen Schacht im Rücken steckt. (dpa) / (sha)